„Gut. Und warum? Haben Sie es abgebrochen oder das Mädchen? Erzählen Sie mir, wie es herging. Und erlauben Sie mir, daß ich unterdessen diese Sachen hier in Ordnung bringe. Sie können ganz frei reden, denn es wird alles unter uns bleiben, ich gebe Ihnen mein Wort.“ Grau streckte ihm die Hand hin.

Der Bursche mit den rotleuchtenden Backen begann zu erzählen. Grau unterbrach ihn.

„Ein Wort noch,“ sagte er. „Sie können mir alles sagen und Sie dürfen sicher sein, einen Freund und Ratgeber in mir zu finden. Lügen Sie nicht, denn es ist so lächerlich zu lügen und auch ganz und gar unsinnig, denn ich fühle es ja sofort, ich höre es am Ton Ihrer Stimme. Nun, bitte!“

Grau nagelte die zwei Bilder, die sich im Reisesack gefunden hatten, an die Wand, während der Bursche erzählte. Das eine Bild war ein Farbdruck nach einem wenig bekannten alten Niederländer; es stellte einen Heiligen dar, der in einer Landschaft saß und dachte. An seiner Seite saß ein kleines weißes Lamm. Der Heilige hatte den Kopf in die rechte Hand gestützt und sein Gesicht zeigte einen so tiefen Ausdruck des Nachdenkens, daß es nahezu idiotisch erschien. Aber gerade dieses nachdenkliche, nahezu idiotische Gesicht liebte Grau an dem Bilde. Er liebte auch die nackten Füße des Heiligen, sie waren unschön, eckig, die Zehen aufwärts gestellt; aber auch diese Füße schienen nachzudenken. Nach Graus Meinung war dieses Bild eines der größten Meisterwerke psychologischer Darstellung. Das andere Bild war eine Radierung von Klinger, die Grau irgend einer Zeitschrift entnommen hatte: Ein nackter Jüngling, der mit verhülltem Gesicht vor dem offenen Meere im Grase kniet. Es war betitelt: An die Schönheit.

„Das heißt, sie fing an das Feine zu lieben, ist es nicht so?“ wandte sich Grau an den Burschen.

„Ja,“ sagte der Bursche. „Sie sagte, ich rieche wie das Schlachthaus. Sie kaufte mir einen Hut, weil ihr meine Mütze nicht gut genug war, sie konnte auch meine Bluse nicht mehr leiden. Ich habe mir dann alles neu gekauft, aber sie wollte trotzdem nichts mehr wissen von mir.“

„Man hat Sie aber im Sommer noch und im Herbst mit dem Mädchen gehen sehen, was sagen Sie dazu?“

Das sei wahr. Sie habe ihm einmal zugerufen auf der Straße, wie es ihm gehe. Darauf habe er sie gefragt, ob es nicht wieder wie früher zwischen ihnen sein könne.

„Was hat sie darauf geantwortet?“

„Sie hat gesagt, sie wolle es mir bald sagen.“