Zu den Mürrischen und Griesgrämigen wollte er reden, zu den Kleinherzigen, Eng- und Kaltherzigen, den Armen, den Geizhälsen und Ofenhockern. Es ist ja zuviel Armut in der Welt, meine Freunde, zuviel Geiz. Zuviel Zaghaftigkeit, Schwäche, Mißtrauen und Trägheit und Haß! Zuviel Hader und Zank!

Da bist du zum Beispiel, du Kleinherziger! Wenn du allein bist, so ist dein Herz mit Liebe angefüllt, du denkst, das werde ich tun und jenes, das wird ihn freuen — sobald du aber einen Menschen siehst, so mißfällt dir seine Stimme oder sein Anzug und deine Seele zieht sich zurück wie die Schnecke in ihr Haus. Habe ich dich entdeckt, Kaltherziger! Ich halte dich fest! Du sollst ihn ansehen, er hat gelitten, er hat gewartet, ja siehst du nicht, daß er gewartet hat im Wachen und im Schlafen, daß jemand zu ihm spräche, sich Mühe gäbe ihn zu verstehen.

Und du, Empfindlicher, der für jedes Wort empfindlich ist, das man ihm sagt, und so rasch die Laune verliert?

Und du, du Fauler, wie? Du bist dick und rund und deinem Gesichte sieht man die Gutmütigkeit an. Eine Bettlerin pocht an deine Türe und fleht, ach, denkst du, ich habe mich eben ein wenig ausgestreckt, ich würde ihr ja gerne etwas geben, aber ich bin müde, ich werde still sein und sie wird denken, es ist niemand zu Hause und wird fortgehen. Willst du denn dein ganzes Leben lang so faul bleiben? Sprich?

Die Menschen wußten ja nicht, welche Schätze in ihren Herzen lagen. Er war gekommen darin zu graben und die Schätze ans Licht zu heben.

Ein Mensch ohne Liebesfähigkeit, wie sollte er fähig sein, die Schönheit zu empfinden — oder jenes Größte zu fühlen, das Liebe und Schönheit einschließt und sich dem Menschen nur in seltenen, kostbaren Augenblicken offenbart?

Ja, wolle Gott ihm die Kraft verleihen, für die Griesgrämigen und Geizigen und Faulen die richtigen Worte zu finden! Was war es doch, das sein Herz so wild schlagen ließ, wenn er sich vorbereitete zu den Menschen zu reden, so wild, daß er stets glaubte, sterben zu müssen?

Bald war Grau in die Arbeit vertieft, und der Heilige an der Wand, dessen Füße sogar nachdachten, sah ihm zu.

Elftes Kapitel

Schon am nächsten Tage machte sich Grau auf den Weg, die Lehrersfrau zu besuchen, bei der Eisenhuts Mutter wohnte. Es traf sich so günstig, daß er von dem Lehrer zu einem Besuche aufgefordert worden war.