Grau zog den Hut. „Ja, ich suche ein Haus,“ sagte er.

„Hier sind keine Häuser,“ sagte der Mann mit den Schlittschuhen mit dünner Stimme und lächelte spöttisch. Grau hatte ihn schon gesehen. Er hatte ein gelbes Gesicht, einen kleinen Spitzbart und Mausaugen.

„Ja, hier scheinen allerdings keine Häuser zu sein,“ sagte Grau und blickte umher. „Aber man hat mich hierher gewiesen — ich suche das Haus eines Lehrers, eines gewissen Lehrers Löwenherz!“

„Löwenherz?“

Die jungen Mädchen blickten einander an. Sie besannen sich und schüttelten die Köpfe. Die Schwestern sahen einander so ähnlich, wie zwei rotbackige Äpfel auf einem Zweig. Man hätte sie nicht zu unterscheiden vermocht, wenn nicht die eine ein kleines braunes Mal auf der Wange gehabt hätte. Sie hatten frische, runde Gesichter mit roten Wangen, die etwas rissig von der Kälte waren, und nachdenkliche blaue Augen.

Fräulein von Hennenbach sah nicht so bleich aus wie neulich, als Grau in ihrem Hause vorsprach, ihre Wangen waren von einer feinen Röte überzogen, aber ihre Augen erschienen um so klarer und heller. Sie waren nahezu weiß.

Der Mann mit den Schlittschuhen begann plötzlich zu kichern und zu lachen. Er streckte wichtigtuerisch die spitze Nase vor. „Es ist der Lehrer!“ rief er aus. „Sicherlich ist es der Lehrer. Er heißt Lenz, mein geehrter Herr. Löwenherz! Was sagen die Damen dazu? Ein ausgezeichneter Einfall — Löwenherz!“

Fräulein von Hennenbach öffnete erstaunt die Lippen. „Ah, Susannas Vater!“ sagte sie, und die Schwestern fügten wie aus einem Munde hinzu: „Ach ja, Susannas Vater!“

„Ich erinnere mich, er sprach von seiner Tochter Susanna,“ sagte Grau.

„Das ist ganz in der Ordnung, er wohnt hier. Nur muß man durch den Turm gehen, bis zur Brücke. Der Herr hier hat im gleichen Hause zu tun.“