Susanna sah ihn lange an, sie lächelte verwundert, dann schüttelte sie leise den Kopf und wandte den Blick dem Fenster zu. Der Schnee schimmerte auf den Feldern.

„Ich werde jetzt mit Herrn Eisenhut reden, Susanna,“ sagte Mütterchen leise und wandte sich langsam der Küchentüre zu.

„Ja, tue das. Stelle es ihm vor, Mütterchen, nicht wahr? Du weißt ja, er hatte noch immer ein Einsehen.“

„Ja,“ sagte Mütterchen kleinlaut. Dann wandte sie sich an Grau. „Der Herr müssen mich einen Augen — blick ent — schuldigen —“

„Mütterchen ist sehr scheu,“ flüsterte Susanna. „Sie kann nicht sprechen, aber sie fühlt. Ich möchte Sie auch bitten, nicht vom Vater zu sprechen in ihrer Gegenwart. Sie leidet so. Er war hier, ich weiß es. Ich sah ihn zum Fenster hereinblicken, in der Nacht, und am Morgen, da sah ich die Fußspuren im Schnee. Mütterchen hat nichts gemerkt, das ist gut. Sie geht umher und denkt an ihn, aber sie spricht nichts. Manchmal, wenn es stürmt, beginnt sie zu weinen. Es ist solch schlimmes Wetter, sagt sie. Sonst nichts. Aber ich weiß, daß sie meint, Vater könnte draußen sein. So ist sie. Manchmal — ach, nicht oft — vielleicht zwei-, dreimal im Jahr, da sagt sie: ‚Wenn er doch einen Brief schriebe!‘ Dann kann sie nicht mehr schweigen, dann muß sie von ihm sprechen. Vater kommt so selten — so selten! Er hat eine unruhige Seele, aber er ist der allerbeste Mensch von der Welt.“ Sie hielt inne und lauschte gegen die Türe, hinter der man Stimmen hörte, sie zitterte ein wenig, dann sagte sie: „Ich hoffe, Sie werden noch ein Weilchen dableiben, Herr Grau, nicht wahr?“

„Mit dem größten Vergnügen,“ sagte Grau. „Ich liebe es, Ihnen zuzuhören. Aber ich muß meinen Mantel ablegen dürfen.“

„Natürlich, natürlich! Oh, denken Sie, wie ich mich gesehnt habe, mit jemand zu sprechen.“

„Verzeihen Sie einen Augenblick,“ unterbrach sie Grau, „da wir vorhin von dem jungen Herrn von Hennenbach sprachen — er ist wohl Student?“

„Ja. Weshalb?“

Grau lächelte. „Ich kann nicht verstehen, daß er hier ist, wenn er doch Student ist. Er lebt wohl immer hier bei seinen Eltern?“