„Putt — putt,“ machte Grau. „Ein schönes Huhn. Sie halten Hühner, Frau Lenz, seht an.“ Er blickte freundlich auf die Henne als sei sie ein Mensch.

„Ja, in der Küche — aber — der Herr müssen entschuldigen — mein ganzes Leben bin ich noch nicht so in Verlegenheit gebracht worden — wie mich diese ungezogene — hsch, hsch — Kreatur blamiert — Geh hinaus, Klatschbase.“

„Klatschbase, so heißt sie,“ erklärte Susanna, „weil sie so viel gackert.“

Klatschbase segelte endlich gackernd und schreiend zur Türe hinaus, nicht ohne vorher zu zeigen, daß sie ein echtes Huhn sei. „O — o —“ hauchte Mütterchen, aber Grau hatte es gar nicht bemerkt. Er sprach mit Susanna. Da habe sie recht, ein schöner Tag sei heute. „In der Stadt hacken sie das Eis auf,“ sagte er. „Es kann nun nicht mehr lange währen, bis der Frühling kommt.“

Susannas Augen glänzten. Sie blickte Grau erstaunt und lange an.

„Nun?“

„Als ob Sie erraten hätten, worauf ich warte!“ sagte sie langsam. „Denn die Wahrheit zu sprechen, ich sitze den ganzen Tag hier und warte auf den Frühling. Ich warte auf ihn, ich liebe ihn, mein Herz klopft, denke ich an ihn. Er ist mein Geliebter. Sie lieben ihn auch?“

Grau lächelte. „Ja, wer liebt ihn nicht?“ sagte er. „Es gibt auf der ganzen weiten Welt nicht einen einzigen Menschen, der ihn nicht liebt, er kann noch so mißmutig sein.“

Susanna fieberte bei dem Gedanken an den Frühling. Sie lächelte und atmete tief. „Oft denke ich,“ fuhr sie fort, „ob es sich nicht jetzt schon rührt da drinnen in der kalten Erde, ob nicht die Keime schon ein wenig erwachen und sich dehnen, all die tausend, tausend Keime da drunten. Denn hören Sie, sie müssen sich ja jetzt schon dehnen, denn haben Sie nicht plötzlich schon ein Schneeglöckchen im Walde angetroffen, wie? Also müssen sie wohl oder übel jetzt schon beginnen, nicht wahr? Ich freue mich auf all das, was jetzt kommt, denn der Winter war doch recht lang. Wenn er schon kommt, der Frühling! Guter Gott, wie weht es doch! Er haucht! Man spürt es an der Schläfe, vor allem an der Schläfe, da haucht es, als ob ein warmer Mund hauche. Wie warm es haucht! Denken Sie daran, wenn Sie hinaustraten und dachten, ja, was ist dies plötzlich, so warm? Dann fassen Sie etwas an, einen Ast, er ist feucht, er klebt! Das ist, wenn er kommt.“

Sie schwieg. Dann, nach einer langen Weile sagte sie — und es klang wie ein frohes Seufzen: „Dann wächst das Gras!“