Grau schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht finden,“ erwiderte er, „daß Susanna häßlich ist. Ich muß freilich zugeben, daß ich beim ersten Anblick dachte, die Natur habe sie stiefmütterlich behandelt, nun aber erscheint sie mir schön.“
„Wirklich?“
„Ja, ich entdecke mehr und mehr Schönheit an ihr. Sie hat doch ganz wunderbare Augen! Haben Sie beobachtet, wie Susannas Augen Ihnen das Wort von den Lippen horchen, den letzten Sinn aus den Augen horchen, den das Wort nicht geben kann oder gibt? Wie ihre Augen antworten, noch bevor sie die Lippen öffnet?“ Er blickte mit schwärmerischem Lächeln auf Adele.
„Ja, ja.“
„Und dann ihre Hände! Haben Sie diese Hände genau betrachtet? Wie lebendig sie sind, wie sie alles miterleben, was Susanna erlebt. Und wie schön sie doch sind, Susannas Hände! Ja, bei Gott, sie sind außerordentlich schön! Ich schwärme, nicht wahr? Aber in Wirklichkeit, seitdem ich Susanna zum erstenmal sah, schwärme ich für sie — ich gestehe es. Sie werden es ihr ja auch nicht wieder sagen,“ fügte er mit einem Lächeln hinzu.
Adele sagte: „Wer weiß es?“
„Ich würde es nicht wünschen,“ sagte Grau. „Sie werden doch nicht am Ende glauben, daß ich gerade deshalb so aufrichtig bin?“
Adele schüttelte den Kopf und lachte. „Sie wissen, daß Sie es mit einer Frau zu tun haben!“ sagte sie scherzend. „Susanna würde all das wohl gerne hören, denn sie ist so stolz auf Ihr Lob. Sie haben ihr auch gesagt, daß sie eine Dichterin sei und Bücher schreiben könnte. Glauben Sie das wirklich?“
„Würde ich es sonst sagen?“ Grau nickte. „Ja, das glaube ich,“ sagte er. „Hat Ihnen Susanna schon die Geschichte erzählt, die sie über das Porzellandämchen in Mütterchens Glasschrank ersonnen hat? Die Abenteuer der Madame Ypsilon? Eine drollige und wunderschöne Sache! Als ich mein erstes Kind erwartete, beginnt die Geschichte dieser Porzellandame — haha!“
Adele kannte diese Geschichte. „Wenn es weht, vermeide ich es, auf die Straße zu gehen, erzählt Madame Ypsilon,“ sagte sie. „Ich habe gar keine Talente,“ fügte sie hinzu und schüttelte lächelnd den schönen, stolzen Kopf.