„Jeder Mensch hat seine Talente.“
Ja? Nun, dann möchte sie recht gerne wissen, welche Talente er ihr zuschreibe?
„Erstens,“ antwortete Grau und blickte sie an, „sind Sie sehr musikalisch, ich sehe das aus Ihrer Art unwillkürlich auf Geräusche und Töne der Straße zu reagieren, sodann sind Sie eine vorzügliche Tänzerin, an Ihrem Gange kann man das erkennen, mehr noch an der Art wie die Bewegungen Ihres Körpers eine Unregelmäßigkeit des Weges ausgleichen. Sie haben die Fähigkeit fremde und unmögliche Dinge zu träumen, vielleicht mitunter grausame Dinge.“
Adele sah ihn an. „Bitte, bitte!“ rief sie aus und lächelte.
„Ihre größte Gabe aber scheint mir zu sein,“ fuhr Grau fort, „unklare Situationen zu überblicken — zuweilen geht Ihr Blick so rasch hinter den Wimpern hervor und unvermittelt in die Weite — und rasch und unerschrocken zu handeln — sogar tollkühn,“ fügte er leiser hinzu.
„Ich habe mir vorgenommen, sobald ich Sie treffe, für meinen Bruder um Entschuldigung zu bitten,“ sagte Adele ablenkend. „Wegen jener Affäre im Elefanten.“
Grau lächelte und schüttelte den Kopf. Aber das sei doch nicht der Rede wert.
Adele blickte ihn erstaunt an. „Nicht der Rede wert?“ fragte sie. „Haben Sie denn keinen Streit mit ihm gehabt?“
„Nein, nein!“ Grau lächelte.
„Wie merkwürdig!“ sagte Adele. „Er hat mir erzählt, Sie hätten Billard zusammen gespielt, er habe gewonnen und es sei zu einem Wortwechsel — und fast zu Tätlichkeiten gekommen,“ fügte sie zögernd hinzu.