Ethel lächelte. „Wie hübsch Sie Ordnung halten!“ sagte sie.

Die Nüchternheit des Raumes enttäuschte sie nicht. Sie dachte an „Pa’s“ Bureau, dessen ganze Ausstattung aus einem Schreibtisch, einem Sessel, Telephon und Spucknapf bestand.

Dann sah sie Allan in die Augen. „Ich glaube, Allan, Ihre Arbeit ist die interessanteste, die je ein Mensch ausführte!“ sagte sie mit einem Blick voll aufrichtiger Bewunderung. Plötzlich aber sprang sie entzückt auf und klatschte in die Hände.

„Ja, Gott, was ist das!“ rief sie begeistert aus. Ihr Blick war durchs Fenster gefallen und sie sah New York liegen.

Aus tausend flachen Dächern stiegen dünne weiße Dampfsäulen empor in die Sonne, schnurgerade. New York arbeitete, New York stand unter Dampf wie eine Maschine, die aus allen Ventilen pfeift. Die Fensterfronten der zusammengerückten Turmhäuser blitzten. Tief unten im Schatten der Broadwayschlucht krochen Ameisen, Punkte und winzige Kärrchen. Von oben gesehen sahen Häuserblöcke, Straßen und Höfe wie Zellen aus, Waben eines Bienenstockes, und man wurde unwillkürlich zu dem Gedanken gedrängt, daß die Menschen diese Zellen aus einem ähnlichen animalischen Instinkt erbauten, wie die Bienen die Waben. Zwischen zwei Gruppen von weißen Wolkenkratzern sah man den Hudson und darauf zog ein winziger Dampfer, ein Spielzeug mit vier Kaminen, ein Ozeangigant von 50000 Tonnen.

„Ist es nicht herrlich!“ rief Ethel wieder und wieder aus.

„Haben Sie New York noch nie von der Höhe aus gesehen?“

Ethel nickte. „Doch,“ sagte sie, „ich bin zuweilen mit Vanderstyfft darüber geflogen. Aber in der Maschine zieht es so, daß man immer den Schleier festhalten muß und nichts sieht.“

Ethel sprach natürlich und schlicht und ihr ganzes Wesen strömte Einfachheit und Herzlichkeit aus. Und Allan fragte sich, weshalb er sich in ihrer Nähe nie ganz behaglich fühlte. Er vermochte es nicht, ohne Rückhalt mit ihr zu plaudern. Vielleicht irritierte ihn nur ihre Stimme. Im großen und ganzen gibt es in Amerika zwei Arten weiblicher Stimmen: eine weiche, die ganz tief im Kehlkopf klingt (so sprach Maud), und eine scharfe, etwas nasale, die sich keck und aufdringlich anhört. So war Ethels Stimme.