Das Urteil lautete auf sechs Jahre drei Monate Gefängnis.
Es war eines jener amerikanischen Urteile, die Europa nicht fassen kann. Es war unter dem Druck des Volkes und der momentanen Lage gegeben. Auch politische Motive spielten herein. Die Wahlen standen bevor und die republikanische Regierung wollte der demokratischen Partei schmeicheln. Allan hörte das Urteil mit ruhiger Miene an und legte sofort Revision ein.
Das Auditorium aber war einige Minuten völlig erstarrt.
Dann aber sagte eine empörte, bebende Frauenstimme: „Es gibt keine Gerechtigkeit mehr in den Staaten. Die Richter und Geschworenen sind von den Schiffahrtsgesellschaften bestochen!“
Das war Ethel Lloyd. Diese Bemerkung kostete sie ein kleines Vermögen und dazu zehntausend Dollar für Anwälte. Und da sie während ihres Prozesses, der enormes Aufsehen erregte, den Gerichtshof abermals beleidigte, bekam sie drei Tage Haft wegen Ungebühr. Ethel Lloyd bezahlte aber freiwillig keinen Pfennig. Sie ließ sich pfänden. Und zwar übergab sie dem Gerichtsvollzieher zwei Paar Handschuhe mit Brillantknöpfen.
„Bin ich mehr schuldig?“ fragte sie.
„Nein, danke,“ antwortete der Beamte und zog mit den Handschuhen ab.
Als aber die Zeit herankam, da Ethel ins Loch wandern sollte, hatte sie keine Lust. Drei Tage jail? No, Sir! Sie riß aus an Bord ihrer Dampfjacht „Goldkarpfen“ und kreuzte in zwanzig Meilen Entfernung von der Küste, wo ihr niemand etwas anhaben konnte. Stündlich sprach sie funkentelegraphisch mit ihrem Vater. Die Funkenstationen der Zeitungen fingen alle Gespräche ab und New York amüsierte sich acht Tage lang. Der alte Lloyd lachte Tränen über seine Tochter und vergötterte sie noch mehr. Da er aber ohne Ethel nicht leben konnte, so bat er sie schließlich zurückzukehren. Er sei nicht wohl. Sofort richtete Ethel den Bug des „Goldkarpfens“ gegen New York, und hier fiel sie prompt in die Hände der Gerechtigkeit.
Ethel brummte drei Tage und die Zeitungen zählten die Stunden bis zu ihrer Befreiung. Ethel kam lachend heraus und wurde von einem Park von Automobilen empfangen und im Triumph nach Hause gebracht.