Allein Allan antwortete nicht.

Ethel war erstaunt und gekränkt. Sie ließ den ersten Detektiv New Yorks zu sich kommen und gab ihm den Auftrag, augenblicklich Informationen über Allan einzuziehen. Am nächsten Tag erstattete ihr der Detektiv Bericht: Allan arbeite Tag für Tag im Tunnel. Zwischen sieben Uhr und zwölf Uhr abends kehre er gewöhnlich zurück. Er lebe vollkommen abgeschlossen von der Welt und habe seit seiner Rückkehr keinen Menschen vorgelassen. Der Weg zu ihm führe über Strom, und Strom sei unerbittlicher als ein Gefängnisschließer.

Am gleichen Tage noch erschien Ethel gegen Abend in der toten Tunnelstadt, um sich bei Allan melden zu lassen. Man sagte ihr, sie möge sich an Herrn Strom wenden. Ethel, die damit rechnete, hatte schon ihre Vorbereitungen getroffen. Mit diesem Herrn Strom wollte sie schon fertig werden! Sie hatte Strom bei Allans Prozeß gesehen. Sie haßte und bewunderte ihn zu gleicher Zeit. Sie verabscheute seine unmenschliche Kälte und Menschenverachtung, aber sie bewunderte seinen Mut. Heute würde er auf Ethel Lloyd stoßen! Sie hatte sich ausgesucht gekleidet, Pelz aus sibirischem Silberfuchs, Fuchskopf und Pranken auf der Mütze. Sie setzte ihre verführerischste und siegreichste Miene auf, überzeugt, Strom augenblicklich zu blenden.

„Ich habe die Ehre, Herrn Strom zu sprechen?“ begann sie mit ihrer einschmeichelndsten Stimme. „Mein Name ist Ethel Lloyd. Ich möchte gerne Herrn Allan besuchen.“

Strom aber verzog keine Miene. Weder ihr allmächtiger Name, noch der Silberfuchs, noch ihre schönen lächelnden Lippen machten auf ihn den geringsten Eindruck. Ethel hatte das demütigende Gefühl, daß ihr Besuch ihn tödlich langweile.

„Herr Allan ist im Tunnel, Fräulein Lloyd!“ sagte er kühl. Sein Blick und die Frechheit, mit der er log, empörten Ethel und sie legte augenblicklich ihre liebenswürdige Maske ab und wurde bleich vor Zorn.

„Sie sind ein Lügner!“ antwortete sie mit einem leisen, empörten Lachen. „Man hat mir soeben gesagt, daß er hier sei.“

Strom regte sich nicht auf. „Ich kann Sie nicht zwingen, mir zu glauben, leben Sie wohl!“ entgegnete er. Das war alles.

So etwas hatte Ethel Lloyd noch nie erlebt. Bebend und blaß vor Wut erwiderte sie: „Sie werden noch an mich denken, mein Herr! Bis heute hat es noch niemand gewagt, mich so unverschämt zu behandeln! Eines Tages werde ich, Ethel Lloyd, Ihnen die Türe weisen! Hören Sie!“

„Ich werde dann weniger Worte machen als Sie, Fräulein Lloyd,“ erwiderte Strom kühl.