Dann kam die Katastrophe. Glaube mir, ich hätte alles hingegeben, um das Schreckliche ungeschehen zu machen. Ich schwöre es dir! Es war grausam und ich litt schrecklich damals. Aber ich bin ein Egoist, Mac, ein großer Egoist! Und während ich noch weinte um Maud, kam es mir zum Bewußtsein, daß du ja nun frei warst, Mac! Du warst frei! Und von diesem Augenblick an trachtete ich dir näher zu kommen. Mac, ich wollte dich haben! Der Streik, die Sperre, der Bankerott, all das kam mir gelegen — das Schicksal arbeitete mir plötzlich in die Hände. Ich drang monatelang in Vater, sich für dich einzusetzen. Aber Pa sagte: ‚Es ist unmöglich!‘ In diesem Januar bestürmte ich ihn von neuem. Aber Pa sagte: ‚Es ist ganz unmöglich!‘ Da sagte ich zu Pa: ‚Es muß möglich sein, Pa! Denke nach, du mußt es möglich machen!‘ Ich quälte Pa, den ich liebe, bis aufs Blut. Tagelang. Endlich sagte er zu. Er wollte an dich schreiben und dir seine Hilfe anbieten. Da aber dachte ich nach. Was dann? dachte ich. Mac wird Pas Hilfe annehmen, ein paarmal bei uns speisen — und dann wird er sich wieder in die Arbeit vergraben und du siehst ihn nicht mehr. Ich sah ein, daß ich nur eine einzige Waffe gegen dich hatte — und das war Pas Geld und Name! Verzeih, Mac, daß ich so offen bin! Ich zögerte nicht, diese Waffe zu gebrauchen. Ich verlangte von Pa, nur zu tun, was ich wollte, einmal in seinem Leben, und nicht nach meinen Gründen zu fragen. Ich drohte ihm, meinem kleinen, lieben, alten Pa, daß ich ihn verlassen würde und er mich nie, nie mehr sehen sollte, wenn er mir nicht gehorchte. Das war schlecht von mir, aber ich konnte nicht anders. Ich hätte Pa ja doch nicht verlassen, denn ich liebe und verehre ihn, aber ich jagte ihn ins Bockshorn. Mac, und das andere kennst du. Ich handelte nicht schön — aber es gab für mich keinen anderen Weg zu dir! Ich habe gelitten darunter, aber ich wollte bis ans Äußerste gehn. Wie du mir im Car den Antrag machtest, hätte ich gleich annehmen wollen. Aber ich wollte doch auch, daß du dir ein wenig Mühe um mich gäbest, Mac —“
Ethel sprach mit halblauter Stimme und oft flüsterte sie nur. Sie lächelte dabei, weich und anmutig, sie zog die Wangen lang und legte die Stirn in Falten, daß sie traurig aussah, sie schüttelte den schönen Kopf, sie sah schwärmerisch zu Allan empor. Häufig hielt sie bewegt inne.
„Hörtest du mich, Mac?“ fragte sie nun.
„Ja!“ sagte Allan leise.
„Das alles mußte ich dir sagen, Mac, ganz offen und ehrlich. Nun weißt du es. Vielleicht können wir trotz allem gute Kameraden und Freunde werden?“
Sie sah mit einem schwärmerischen Lächeln in Allans Augen, die müde und vergrämt waren wie vorhin. Er nahm ihren schönen Kopf in beide Hände und nickte.
„Ich hoffe es, Ethel!“ erwiderte er und seine fahlen Lippen zuckten.
Und Ethel folgte ihrem Gefühl und schmiegte sich einen Augenblick an seine Brust. Dann richtete sie sich mit einem tiefen Atemzug auf und lächelte verwirrt.
„Eines noch, Mac!“ begann sie nochmals. „Wenn ich dir schon das sagte, muß ich dir alles sagen. Ich wollte dich haben und nun habe ich dich! Aber höre nun: jetzt will ich, daß du mir vertraust und mich liebst! Das ist nun meine Aufgabe! Nach und nach, Mac, hörst du, es soll meine Sache sein, und ich glaube daran, daß es mir gelingen wird! Denn wenn ich das nicht glaubte, so wäre ich todunglücklich. — — Gute Nacht nun, Mac!“
Und langsam, müde, wie schwindlig ging sie hinaus.