Allan blieb stehen und sah Ethel an.

„Ja,“ sagte er mit klangloser Stimme, während er sich gegen den Kamin lehnte. „Es waren so viele Menschen!“ Von ihm zu ihr waren nur zehn Schritte zu gehen, aber doch war es, als seien sie meilenweit voneinander entfernt. Nie war ein Hochzeitspaar einsamer.

Allan sah fahl und grau im Gesicht aus. Seine Augen waren glanzlos und erloschen. Er hatte keine Kraft mehr, sich zu verstellen. Ethel aber erschien er nun endlich ein Mensch geworden zu sein, wie sie einer war, ein Mensch mit einem Herzen, das fühlen und leiden konnte.

Sie stand auf und ging näher. „Mac!“ rief sie leise.

Allan blickte auf.

„Höre, Mac,“ begann sie mit ihrer weichsten Stimme, „ich muß mit dir sprechen. Höre zu. Ich will nicht, daß du unglücklich bist, Mac. Im Gegenteil, ich wünsche von ganzem Herzen, daß du glücklich wirst — so gut es geht! Glaube nicht, ich sei so töricht anzunehmen, du habest mich aus Liebe geheiratet. Nein, so töricht bin ich nicht. Ich habe nicht das Recht, Ansprüche an dein Herz zu stellen und ich stelle sie auch nicht. Du bist genau so frei und ungebunden wie früher. Du brauchst dir auch keine Mühe zu geben, mich glauben zu machen, daß du mich ein wenig liebtest, nein! Es würde mich beschämen. Ich verlange nichts von dir, gar nichts, Mac. Nur das Recht, das ich schon seit Wochen genoß, immer ein wenig in deiner Nähe sein zu dürfen ...“

Ethel hielt inne. Aber Allan sagte nichts.

Und Ethel fuhr fort: „Ich spiele jetzt nicht mehr Komödie, Mac. Das ist vorbei. Ich mußte Komödie spielen, um dich zu bekommen, aber nun, da ich dich habe, brauche ich es nicht mehr. Nun kann ich ganz aufrichtig sein und du wirst sehen, daß ich nicht nur ein launenhaftes und garstiges Geschöpf bin, das die Menschen quält. Höre, Mac, ich muß dir alles sagen, damit du mich kennen lernst ... Du hast mir gefallen, als ich dich zuerst sah! Dein Werk, deine Kühnheit, deine Energie bewunderte ich. Ich bin reich, ich wußte es schon als Kind, daß ich reich sei. Mein Leben sollte groß und wunderbar werden, so dachte ich bei mir. Ich dachte es nicht klar, aber ich empfand es. Mit sechzehn Jahren träumte ich davon, einen Prinzen zu heiraten und mit siebzehn wollte ich mein Geld verschenken an die Armen. Das war alles Nonsens. Mit achtzehn hatte ich schon keinen bestimmten Plan mehr. Ich lebte genau wie andere junge Leute, die reiche Eltern haben. Aber das wurde bald schrecklich langweilig. Ich war nicht unglücklich, aber ich war auch nicht gerade glücklich. Ich lebte von einem Tag zum andern, amüsierte mich und schlug die Zeit tot, so gut ich es konnte. Ich dachte in dieser Zeit überhaupt nichts, so scheint es mir wenigstens jetzt. Dann kam Hobby zu Pa mit deinem Projekt. Aus purer Neugierde drang ich in Pa, mich einzuweihen, denn die zwei taten sehr geheimnisvoll. Ich studierte mit Hobby deine Pläne und tat, als verstände ich alles. Dein Projekt interessierte mich außerordentlich, das ist die Wahrheit. Hobby erzählte mir von dir und was für ein prachtvoller Mensch du seist und schließlich war ich ungeheuer neugierig, dich zu sehen. Nun, ich sah dich! Ich hatte einen solch riesenhaften Respekt vor dir, wie noch nie vor einem Menschen! Du gefielst mir! So einfach, so stark und gesund sahst du aus. Und ich wünschte: möchte er doch nett zu mir sein! Aber du warst ganz gleichgültig. Wie oft habe ich an diesen Abend gedacht! Ich wußte, daß du verheiratet warst, Hobby hatte mir ja alles erzählt, und es kam mir auch gar nicht in den Sinn — damals — daß ich dir mehr werden könnte als eine Freundin. Später aber fing ich an, auf Maud eifersüchtig zu werden. Verzeihe, daß ich ihren Namen nenne! Wo man stand und ging, hörte und sah man deinen Namen. Und ich dachte, warum könntest du nicht an Mauds Stelle sein. Das wäre herrlich! Es hätte dann auch Sinn, reich zu sein! Das war nicht möglich, ich sah es ein und ich wollte mich zufrieden geben, wenn ich zu deinen Freunden zählen dürfte. Um das zu erreichen, kam ich damals öfter zu euch hinaus, aus keinem anderen Grund. Denn wenn ich auch verrückte Pläne schmiedete: wie ich es anstellen könnte, dich in mich verliebt zu machen, so verliebt, daß du Frau und Kind verließest, so meinte ich das doch nicht ernst und glaubte selbst nicht daran. Aber auch freundschaftlich kam ich dir nicht näher, Mac! Du verschlossest dich, du hattest weder Zeit noch Gedanken für mich. Ich bin nicht sentimental, Mac, aber damals war ich sehr, sehr unglücklich!