Im dritten Jahre ihrer Ehe gebar Ethel einen Sohn. Dieser Sohn! Er wurde von Ethel wie ein Heiland gehütet. Es war Macs Kind, Macs, den sie liebte, ohne viele Worte zu machen, und er sollte in zwanzig Jahren das Werk des Vaters übernehmen und vervollkommnen. Sie nährte ihn selbst, sie lehrte ihn die ersten Worte sprechen und die ersten Schritte tun.
In den ersten Jahren war der kleine Mac zart und empfindlich. Ethel nannte ihn „rassig und aristokratisch“. Im dritten Jahre aber ging er in die Breite, sein Schädel wurde dick und er bekam Sommersprossen. Sein blondes Haar wurde brandrot: er verwandelte sich in einen richtigen kleinen Pferdejungen. Ethel war glücklich. Sie liebte zarte und empfindliche Kinder nicht, stark und kräftig mußten sie sein und tüchtig schreien, damit die Lungen wuchsen — genau wie der kleine Mac es tat. Sie, die nie Angst gehabt hatte, lernte nun die Angst kennen. Sie zitterte stündlich um ihr Kind. Ihre Phantasie war erfüllt von Entführungsgeschichten, die sich zugetragen hatten, da man Kinder von Millionären gestohlen, verstümmelt, geblendet hatte. Sie ließ eine Stahlkammer, wie in einer Bank, in ihr Haus zur ebenen Erde einbauen. In dieser Stahlkammer mußte der kleine Mac mit der Nurse schlafen. Ohne sie durfte er nie den Park verlassen. Zwei auf den Mann dressierte Polizeihunde begleiteten ihn und stets schnüffelte ein Detektiv die Gegend drei Meilen im Umkreis ab. Nahm sie ihn mit sich, so fuhren zwei Detektive im Wagen mit, bewaffnet bis an die Zähne. Der Chauffeur mußte ganz langsam fahren, und Ethel ohrfeigte ihn einmal auf offener Straße in New York, weil er „hundred miles an hour“ fuhr.
Jeden Tag mußte ein Arzt den Kleinen, der prächtig gedieh, untersuchen. Wenn das Kind sich nur räusperte, so depeschierte sie sofort nach einem Spezialisten.
Überall sah Ethel Gefahren für ihr Kind. Aus dem Meer konnten sie steigen, ja sogar aus der Luft konnten Verbrecher herabkommen, um den kleinen Mac zu stehlen.
Im Park war eine große Wiese, die, wie Ethel sagte, „geradezu zur Landung von Aeroplanen einlud“. Ethel ließ ein Rudel Bäume darauf pflanzen, so daß jeder Aeroplan, der eine Landung versuchte, elend zerschmettern mußte.
Ethel stiftete eine Riesensumme für die Erweiterung des Hospitals, das sie „Maud Allan Hospital“ taufte. Sie gründete die besten Kinderheime der ganzen Welt in allen fünf Tunnelstädten. Schließlich war sie nahe am Bankerott und der alte Lloyd sagte zu ihr: „Ethel, du mußt sparen!“
Die Stelle, wo Maud und Edith getötet worden waren, ließ Ethel umzäunen und in ein Blumenbeet verwandeln, ohne Allan ein Wort davon zu sagen. Sie wußte recht gut, daß Allan Maud und die kleine Edith noch nicht vergessen hatte. Es gab Zeiten, da sie ihn des Nachts zuweilen stundenlang auf und abgehen und leise sprechen hörte. Sie wußte auch, daß er in seinem Arbeitstisch sorgfältig ein vielgelesenes Tagebuch aufbewahrte: „Leben meines kleinen Töchterchens Edith und was sie sagte.“
Die Toten hatten ihre Rechte und Ethel dachte nicht daran, sie ihnen zu schmälern.