Ende
Werke
von
Bernhard Kellermann
Yester und Li
Die Geschichte einer Sehnsucht. (Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane.) Geb. 1 M., in Leinen M. 1.25.
Die Geschichte einer Sehnsucht ist es, die der Verfasser erzählt — einer zarten, zitternden, tastenden Sehnsucht. Einer so verzehrenden, wahnwitzigen, ungeheuerlichen Liebessehnsucht, wie sie nur ein Dichter, ein Auserwählter unter den Menschen, zu einem auserwählten, seltenen, wundervollen Weibe empfinden kann. — Henri Ginstermann heißt er. Und sie heißt Bianka Schuhmacher. Ganz einfache, alltägliche Namen. Aber was für Menschen! Ihre Seelen sind — ein triviales Bild zu gebrauchen — wie äußerst verfeinerte phonographische Platten. Und zwischen diesen beiden Menschen schwebt eine innige, keusche, unausgesprochene Liebe. Beide wissen: sie ist hoffnungslos, diese Liebe. Und doch trägt sie jeder im Herzen, sorgsam, wie ein anvertrautes Gut, ein Heiligtum, einen köstlichen Schatz. In stummer Duldung klammert er sich an sein jämmerliches Leben, das ihn, den um unbesonnener Jugendstreiche willen Verstoßenen, Verfemten, so oft grausam geneckt. Seiner heiligen Sehnsucht zuliebe tut er es. Sein ganzes Sein und Wesen strömt in dies eine große Gefühl zusammen. Er treibt einen Kultus mit dieser Frau. Besingt sie in überschwenglichen, himmelhochjauchzenden Hymnen. Und macht doch allem ein Ende durch einen leisen, müden Verzicht. Wunderbar ergreifend ist dieser Schluß. Ein Dichter hat dies Buch geschrieben. Ein wirklicher Dichter. Mit sanfter, zagender Hand sind die letzten Hüllen von menschlichen Seelen gezogen. Und doch erscheint alles wie durch zarte Schleier, von einem seltsamen matten Glanz umsponnen. Letzte Menschlichkeiten werden aufgedeckt. Feines, Leises wird gegeben, wie mit dem Silberstift gezeichnet.
(Königsberger Allgemeine Zeitung)
Ingeborg
Roman. 18. Auflage. Geheftet 4 M., gebunden 5 M.