Es kam ganz auf den Wind an. Aber die Dampfer haben diesen Staub auf dem Meere beobachtet als eine viele Kilometer umfassende, kalkweiße schwimmende Insel, und zuweilen siebte der Tunnelstaub über New York herab wie ein feiner Aschenregen.
Die Baustelle war hier vierhundert Meter breit und zog sich fünf Kilometer schnurgerade ins Land hinein. Sie wurde in Terrassen abgebaut, die tiefer und tiefer stiegen. An der Mündung der Tunnelstollen sollte die Sohle der Terrassen zweihundert Meter unter dem Meeresspiegel liegen.
Heute eine sandige Heidefläche mit einer Heerschar von buntfarbigen Pflöcken, morgen ein Sandbett, übermorgen eine Kiesgrube, ein Steinbruch, ein ungeheurer Kessel aus Konglomeraten, Sandsteinen, Tonen und Kalk, und zuletzt eine Schlucht, in der es wimmelte wie von Maden. Das waren Menschen, winzig von oben gesehen, weiß und grau vom Staub, graue Gesichter, Staub in den Haaren und Wimpern und einen Brei von Staubmasse zwischen den Lippen. Zwanzigtausend Menschen stürzten sich Tag und Nacht in diese Baugrube hinein. Wie ein See glitzert, so glitzerten drunten die Picken und Schaufeln. Hornsignale: Staub wirbelt empor, ein steinerner Koloß neigt sich vornüber, stürzt, zerfällt, und Knäuel von Menschen wälzen sich in die Staubwolke, die emporjagt. Die Bagger kreischen und jammern, die Paternosterwerke winseln und rasseln unaufhörlich, Krane schwingen, Karren sausen durch die Luft, und die Pumpen drücken Tag und Nacht einen Strom von schmutzigem Wasser durch mannsdicke Röhren empor.
Heere von winzigen Lokomotiven schießen unter den Baggern hindurch, schleppen sich zwischen Geröll und über Sandhaufen. Aber sobald sie das freie Land und solide Schienen erreicht haben, fliegen sie wild pfeifend und mit gellenden Glockensignalen zwischen den Baracken dahin nach den Baustellen, wo man Sand und Steine braucht. Hier haben die Züge Berge von Zementsäcken angefahren, und Arbeiterscharen sind beschäftigt, große Kasernenbauten zu errichten, die vierzigtausend Mann beherbergen sollen und zum Winter unter Dach sein müssen.
Fünf Kilometer vom „Schacht“ entfernt aber — wo die Trasse sich in sanftem Winkel zu neigen beginnt — stehen in einer Wolke von Öl, Hitze und Rauch vier finstere Maschinen auf funkelnagelneuen Schienen und warten und qualmen.
Vor ihren Rädern blitzen Schaufeln und Picken. Schweißtriefende Rotten heben den Boden aus und füllen ihn auf mit Steinblöcken und Schottersteinen, die aus Kippwagen die Böschung herunterpoltern. In die Steine betten sie Schwellen, die noch kleben vom Teer, und wenn sie eine Leiter von Schwellen gelegt haben, so schrauben sie die Schienen darauf fest. Und wenn sie fünfzig Meter Schienen gelegt haben, so pusten und zischen die vier schwarzen Maschinen und bewegen die Stahlgelenke, drei-, viermal, und schon sind sie wieder bei den blitzenden Schaufeln und Picken angelangt.
So wandern die vier schwarzen Ungeheuer jeden Tag vorwärts, und eines Tages stehen sie tief zwischen hohen Geröllbergen, und eines Tages stehen sie tief unter den Terrassen in einem Kamin von steilen Betonwänden und starren mit ihren Zyklopenaugen auf die Felswand vor ihnen, wo im Abstand von dreißig Schritten zwei große Bogen angeschlagen sind — die Mündung des Tunnels.