2.
In den ersten Monaten sah Maud ihren Gatten sehr selten.
Sie erkannte schon nach den ersten Tagen, daß seine jetzige Arbeit von ganz anderer Art war als seine Tätigkeit in der Fabrik in Buffalo, und sie war klug und stark genug, Macs Werk ohne viele Worte ihr Teil zu opfern. An vielen Tagen bekam sie ihn überhaupt nicht zu Gesicht. Er war auf der Baustelle, in den Versuchswerkstätten von Buffalo, oder er hatte dringende Konferenzen. Allan begann seine Arbeit morgens um sechs Uhr und sie hielt ihn häufig bis spät in die Nacht hinein fest. Vollkommen ermüdet, zog er es zuweilen vor, auf der Ledercouch seines Arbeitsraumes zu übernachten, anstatt erst nach Bronx zu fahren.
Auch darein fügte sich Maud.
Damit er wenigstens einigen Komfort für diese Fälle habe, richtete sie ihm ein Schlafzimmer mit Bad und ein Speisezimmer im Syndikatgebäude ein, eine richtige kleine Wohnung, in der er Tabak und Pfeifen, Kragen, Wäsche, kurz alles, was er brauchte, fand. Sie überließ ihm Lion, den chinesischen Boy, zur Bedienung. Denn niemand vermochte so gut mit Mac umzugehen wie er. Lion konnte mit asiatischem Gleichmut hundertmal nacheinander sagen — immer mit einer kleinen angemessenen Pause dazwischen —: „Dinner, sir — Dinner, sir.“ Er verlor weder die Geduld noch hatte er Launen. Er war immer da und man sah ihn nie. Er arbeitete lautlos und gleichmäßig wie eine gutgeölte Maschine und doch war stets alles in peinlicher Ordnung.
Nun sah sie Mac allerdings noch seltener, aber sie hielt sich tapfer. Solange es die Witterung erlaubte, arrangierte sie am Abend kleine Diners auf dem Dach des Syndikatgebäudes, das einen berückenden Blick über New York gewährte. Diese Diners mit einigen Freunden und Mitarbeitern Macs machten ihr große Freude und sie verwandte den ganzen Nachmittag auf die Vorbereitung. Es verdroß sie auch nicht, wenn Mac zuweilen nur auf einige Minuten kommen konnte.
Die Sonntage aber verbrachte Allan regelmäßig in Bronx bei ihr und Edith; und dann schien es, als wolle er alle Versäumnisse der Woche wettmachen, so ausschließlich widmete er sich ihr und dem Kinde, heiter und harmlos wie ein großer Knabe.
Manchmal auch fuhr er an den Sonntagen mit ihr nach der Baustelle in New Jersey, um „Hobby etwas Dampf aufzusetzen“.
Es kam ein ganzer Monat voller Konferenzen mit den Gründern und Großaktionären des Syndikats, mit Finanzleuten, Ingenieuren, Agenten, Hygienikern, Baumeistern. In New Jersey waren sie auf große Mengen Wassers gestoßen, in „Bermuda“ verursachte der Bau des Serpentintunnels unerwartete Schwierigkeiten. In „Finisterra“ war das Arbeitermaterial minderwertig und mußte durch besseres ersetzt werden. Und dazu häuften sich die laufenden Arbeiten von Tag zu Tag mehr und mehr.