Allan arbeitete zuweilen zwanzig Stunden nacheinander, und es war selbstverständlich, daß sie an solchen Tagen keine Ansprüche an ihn erhob.
Mac versicherte ihr, daß es in einigen Wochen besser sein werde. Wenn der erste Rush vorbei sei! Sie hatte Geduld. Ihre einzige Sorge war, daß Mac sich überarbeiten könne.
Maud war stolz, die Frau Mac Allans zu sein! In einer stillen Begeisterung ging sie umher. Sie liebte es, wenn die Zeitungen ihn den „Eroberer der submarinen Kontinente“ nannten und die Genialität und Kühnheit seiner Entwürfe priesen. Übrigens hatte sie sich noch nicht ganz daran gewöhnt, daß Mac nun plötzlich ein berühmter Mann geworden war. Sie betrachtete ihn zuweilen voller Staunen und Ehrfurcht. Aber dann fand sie, daß er ganz genau so aussah wie früher, schlicht, gar nicht ungewöhnlich. Sie befürchtete auch, daß sein Nimbus in der Öffentlichkeit verblassen würde, wenn die Leute wüßten, wie simpel sein Wesen im Grunde genommen sei. Eifrig sammelte sie alle Aufsätze und Zeitungsnotizen, die sich auf den Tunnel und Mac bezogen. Zuweilen trat sie auch in ein Kinotheater, wenn sie gerade vorbeikam, um sich selbst zu sehen, „Mac’s wife“, wie sie in Tunnel-City aus dem Automobil stieg und ihr heller Staubmantel flatterte im Winde. Die Journalisten nahmen jede Gelegenheit wahr, um sie zu interviewen, und sie lachte sich tot vor Vergnügen, wenn sie am nächsten Tag in der Zeitung einen Artikel fand: „Macs Frau sagt, er ist der beste Gatte und Vater New Yorks.“
Obwohl sie es sich nicht eingestand, schmeichelte es ihr, wenn die Leute in Geschäften, wo sie Einkäufe machte, sie neugierig anstarrten, und ein großer Triumph ihres Lebens war es, als Ethel Lloyd ihren Wagen am Union-Square abstoppen ließ und sie ihren Freundinnen zeigte.
An den schönen Tagen fuhr sie Edith in einem eleganten Korbwägelchen im Bronx-Park spazieren und dann besuchten sie stets den Tiergarten, wo sie sich beide stundenlang vor den Affenkäfigen amüsieren konnten, und zwar amüsierte sich Maud nicht weniger als ihr Kind. Als aber der Herbst kam und Nebel aus dem feuchten Boden von Bronx stiegen, hatte dieses Vergnügen ein Ende.
Mac hatte versprochen, an Weihnachten drei Tage ganz und gar — ohne jede Arbeit! — mit ihnen zu verbringen, und Mauds Herz jubelte schon Wochen vorher. Es sollte genau so werden wie ihr erstes gemeinsames Weihnachtsfest. Hobby sollte am zweiten Feiertag kommen und sie wollten Bridge spielen, bis sie umfielen. Maud hatte ein endloses Programm für die drei Tage ausgearbeitet.
Den ganzen Dezember hindurch bekam sie allerdings ihren Gatten fast nicht zu sehen. Allan war tagtäglich von Beratungen mit Finanzleuten in Anspruch genommen, da sie die Vorbereitungen für die finanzielle Kampagne trafen, die im Januar eröffnet werden sollte.
Allan brauchte — vorerst! — die hübsche Summe von drei Milliarden Dollar. Aber er zweifelte keinen Augenblick daran, daß er sie bekommen würde.
Wochenlang war das Syndikatgebäude von Journalisten belagert gewesen, denn die Presse hatte mit der Sensation glänzende Geschäfte gemacht. Auf welche Weise sollte der Tunnel gebaut werden? Wie verwaltet? Wie sollten sie da drinnen mit Luft versorgt werden? Wie war die Tunnelkurve berechnet worden? Wieso kam es, daß die Tunnelkurve, trotz kleiner Umwege, um ein Fünfzigstel kürzer werden würde als der Seeweg? („Stich eine Nadel durch einen Globus und du weißt es!“) Das waren alles Fragen, die das Publikum wochenlang in Atem hielten. Am Schluß hatte man nochmals die Fehde um den Tunnel, einen neuen „Tunnelkrieg“ in den Zeitungen entfacht, der mit der gleichen Erbitterung und dem gleichen Lärm geführt wurde wie der erste.
Die gegnerische Presse führte wiederum ihre alten Argumente ins Feld: daß niemand diese ungeheure Strecke aus Granit und Gneis herauszubohren imstande sei, daß eine Tiefe von 4000 bis 5000 Metern unter dem Meeresspiegel jede menschliche Tätigkeit ausschließe, der ungeheuren Hitze und dem enormen Druck kein Material standhalten würde — daß aus all diesen Gründen der Tunnel ein klägliches Fiasko erleiden würde. Die freundlich gesinnte Presse aber machte ihren Lesern zum tausendstenmal die Vorzüge des Tunnels klar: Zeit! Zeit! Zeit! Pünktlichkeit! Sicherheit! Die Züge würden so sicher laufen wie die Züge auf der Erdoberfläche — ja, sicherer! Man sei nicht mehr vom Wetter, vom Nebel und Wasserstand abhängig und setze sich nicht der Gefahr aus, irgendwo auf dem Ozean von den Fischen gefressen zu werden. Man erinnere sich nur an die Katastrophe der „Titanic“, bei der sechzehnhundert Menschen das Leben verloren, und an das Schicksal der „Kosmos“, die mit ihren viertausend Menschen an Bord mitten im Ozean verscholl!