„Ja, Mac, vor vier Wochen. Wenn ich nun im Frühjahr nach Tunnel-City komme, so habe ich eine Beschäftigung. Anders geht es nicht mehr.“

Nun aber war Mac ganz Verblüffung, Nachdenklichkeit und Ernst. Er blinzelte vor Überraschung und fand nicht sogleich die Sprache wieder. Maud amüsierte sich ganz großartig! Dann nickte er ein paarmal mit dem Kopf. „Vielleicht ist es ganz gut, wenn du etwas arbeitest, Maud!“ sagte er breit und nachdenklich. „Ob es aber gerade das Hospital sein muß —?“ Plötzlich aber lachte er belustigt auf. Er sah seine kleine Maud im Kostüm einer Krankenpflegerin vor sich. „Verlangst du eine hohe Gage?“ Maud aber ärgerte sich ein wenig über sein harmloses Lachen.

Er nahm ihren Plan für eine Laune, eine Spielerei. Er zweifelte an ihrer Ausdauer. Er begriff gar nicht, daß es für sie eine Notwendigkeit geworden war, zu arbeiten. Es kränkte sie, daß er sich so geringe Mühe gab, sie zu verstehen.

‚Früher kränkte mich so etwas ganz und gar nicht,‘ dachte sie am folgenden Tag. ‚Demnach muß ich anders geworden sein.‘ Und Maud, die sich Tag und Nacht quälte, aus dem einfachen Grunde, weil sie die Gewißheit ihres Glückes verloren hatte, fing an zu verstehen, daß eine Frau mehr wünscht als Liebe und Anbetung.

Am Abend war sie allein, es regnete herrlich und frisch draußen und sie machte Eintragungen in ihr Journal.

Sie notierte einige Aussprüche der kleinen Edith, die deutlich die naive Grausamkeit und den kindlichen Egoismus ihres vergötterten Töchterchens verrieten. Eigenschaften, die allen Kindern eigen sind, was Maud nicht vergaß hinzuzufügen. Dann spann sie ihre Gedanken weiter aus: „Es scheint mir,“ schrieb sie, „daß nur Mütter und Gattinnen wahrhaft selbstlos sein können. Kindern und Männern ist diese Eigenschaft nicht gegeben. Die Männer haben vor den Kindern nur das eine voraus: sie sind selbstlos und aufopferungsvoll in kleinen, äußerlichen, ich möchte sagen, unwesentlichen Dingen. Ihre tiefsten und wesentlichen Regungen und Wünsche werden sie aber nie zugunsten einer geliebten Person aufgeben. Mac ist ein Mann und ein Egoist wie alle Männer, ich kann ihm diesen Vorwurf nicht ersparen, obgleich ich ihn von ganzem Herzen liebe.“

Sie überzeugte sich, daß Edith schlief, nahm einen Schal und trat auf die Veranda. Hier setzte sie sich in einen Korbsessel und lauschte dem Rauschen des Regens. Im Südwesten stand eine düstere Feuersbrunst: New York.

Als sie in ihr Schlafzimmer gehen wollte, fiel ihr Blick auf das aufgeschlagene Buch am Schreibtisch. Sie las ihr Aperçu, und während sie vorhin im Grunde ihres Herzens sogar ein wenig stolz gewesen war auf all ihre Weisheit, schüttelte sie jetzt den Kopf und schrieb darunter: „Eine Stunde später, nachdem ich dem Rauschen des Regens gelauscht habe. Mache ich Mac nicht ungerechte Vorwürfe? Bin nicht ich es, die egoistisch ist? Verlangt Mac etwas von mir? Oder verlange nicht ich von Mac, daß er Opfer bringt? Ich glaube, daß alles, was ich vorher geschrieben habe, kompletter Nonsens ist. Heute kann ich das Rechte nicht mehr finden. Schön rauscht der Regen. Er gibt Frieden und Schlaf. — Maud, Macs kleiner Narr.“