Diesen atemlosen, rasenden Kampf focht S. Woolf seit Jahren aus, Tag und Nacht auf der Witterung nach dem günstigsten Angriff, Überfall und Rückzug. Stündlich gab er seinen Befehlshabern in fünf Erdteilen Befehle und stündlich prüfte er ihre Schlachtberichte.

S. Woolf leistete erstklassige Arbeit. Er war ein Geldgenie, er roch das Geld auf Meilen Abstand. Er hatte ungezählte Millionen Aktien und Anteilscheine nach Europa geschmuggelt, denn des amerikanischen Geldes glaubte er sicher zu sein, wenn er seine goldenen Reservearmeen unter Waffen rufen mußte. Er hatte Prospekte verfaßt, die sich wie Gedichte Walt Whitmans lasen. Er verstand es wie kein anderer, zur rechten Zeit das rechte Trinkgeld in die rechte Hand zu drücken. Dank dieser Taktik machte er in weniger zivilisierten Ländern (wie Rußland, Persien) Geschäfte, die fünfundzwanzig und vierzig Prozent abwarfen und die nur im Finanzleben für erlaubt gelten. Bei den jährlichen Generalversammlungen ging er aufgerichtet durchs Ziel und das Syndikat hatte im Lauf der Jahre sein Gehalt auf dreihunderttausend Dollar erhöht. Er war unersetzlich.

S. Woolf arbeitete, daß seine Lungen rasselten. Jedes Blatt Papier, das er in die Hand nahm, zeigte den fetten Abdruck seines Daumens, trotzdem er hundertmal am Tage die Hände wusch. Er schied ganze Tonnen Talg aus und wurde trotzdem immer fetter. Sobald er aber den schweißfeuchten Kopf unter kaltes Wasser gesteckt, Haare und Bart gebürstet, einen frischen Kragen umgelegt hatte und die Office verließ, war er ein würdevoller Gentleman, der nie Eile und Hast verriet. Er bestieg bedächtig seinen eleganten pechschwarzen Car, dessen silberner Drache wie das Nebelhorn eines Ozeandampfers brummte und rollte den Broadway hinab, um den Abend zu genießen.

Das Diner nahm er gewöhnlich bei einer seiner jungen Freundinnen ein. Er liebte es, gut zu speisen und ein Glas starken, kostbaren Weins dazu zu trinken.

Jeden Abend um elf erschien er im Klub, um zwei Stunden zu spielen. Er spielte besonnen, nicht zu hoch und nicht zu niedrig, schweigsam, zuweilen mit den roten, wulstigen Lippen in seinen schwarzen Bart plusternd.

Im Klub trank er stets eine Tasse Kaffee, nichts sonst.

S. Woolf war das Muster eines Gentleman.

Er hatte nur ein Laster und er verbarg es sorgfältig vor der Welt. Das war seine außerordentliche Sinnlichkeit. Seinen dunkeln, tierisch glänzenden, schwarzbewimperten Augen entging kein schöner Frauenkörper. Das Blut begann in seinen Ohren zu knacken, sobald er ein junges hübsches Mädchen mit runden Hüften sah. Er kam jedes Jahr viermal mindestens nach Paris und London und in beiden Städten hielt er ein oder zwei hübsche Mädchen aus, denen er luxuriöse Wohnungen mit spiegelverschalten Alkoven eingerichtet hatte. Er gab einem Dutzend junger süßer Geschöpfe Sektsoupers, bei denen er im Frack erschien und die Göttinnen in ihrer schönen schimmernden Haut. Häufig brachte er von seinen Reisen „Nichten“ mit, die er nach New York verpflanzte. Die Mädchen mußten schön, jung, schwellend und blond sein; besonders Engländerinnen, Deutschen und Skandinavierinnen gab er den Vorzug. S. Woolf rächte auf diese Weise den armen Samuel Wolfsohn, den die Konkurrenz gutgebauter Tennisspieler und großer Monatswechsel vor Jahren bei allen schönen Frauen aus dem Felde geschlagen hatte. Er rächte sich an jener hochmütigen blonden Rasse, die ihn früher mit dem Fuß ins Gesicht trat, indem er jetzt ihre Frauen kaufte. Und er entschädigte sich vor allem für eine entbehrungsreiche Jugend, die ihm weder Zeit noch Möglichkeit ließ, seinen Durst zu stillen.

Von jeder Reise brachte er eine Anzahl Siegestrophäen mit, Locken und Strähnen, vom kühlen silbrigen Blond bis zum heißesten Rot, die er in einem japanischen Lackschrank in seiner New Yorker Wohnung aufbewahrte. Aber davon wußte niemand etwas, denn S. Woolf schwieg.

Auch aus einem anderen Grunde liebte er seine trips nach Europa. Er sah seinen alten Vater, an dem er mit einer sonderbaren Sentimentalität hing. Zweimal im Jahre kam er auf zwei Tage nach Szentes und Telegramme flogen vor ihm her. Ganz Szentes war in Aufregung. Der große Sohn des alten Wolfsohn! Der Glückliche! Dieser Kopf! Er kam.