Dieses ganze Glück verdankte er dem Waldverkauf, den er vor etwa drei Jahren vermittelt hatte. Allerdings – Stolpe war nicht so einfältig, dies zu übersehen – hatte Wenzel Schellenberg mit diesem Wald ein Vermögen verdient! Wegen irgendeiner Klausel des Vertrags hatte er mit der Forstverwaltung prozessiert. Der Prozeß dauerte zwei Jahre, und als Wenzel schließlich bezahlen mußte – die Mark war damals noch nicht stabil –, zeigte es sich, daß er den ungeheuren Komplex für ein Butterbrot erhalten hatte.

Stolpe gab seine Karte bei Frau von Griesbach ab. Ein ältliches Mädchen, schüchtern, verblüht, empfing ihn. Sonderbar, so unsicher sich Stolpe Wenzel und seinen Geschäftsfreunden gegenüber benahm, so sicher wurde er, sobald er sich in seinen eigenen Kreisen bewegte. Er klappte mit den Hacken, dienerte, schnarrte, zog die Hose an den Fingerspitzen übers Knie, sprach ohne jede Stockung. Ein sonderbarer Auftrag! Das ältliche Mädchen errötete, stand auf und verließ das Zimmer.

Die großen Zimmer waren kalt und hell. Schon zeigte sich eine auffallende Kahlheit. An einigen dunklen Vierecken an der verblaßten Tapete erkannte man, daß Bilder von der Wand entfernt worden waren. Offenbar hatte man die Teppiche fortgenommen. Dort hatte eine Vitrine gestanden. Die Tapete zeigte ganz deutlich das Gespenst des Schrankes.

Frau von Griesbach erschien selbst, schwarzgekleidet, in ein Schultertuch eingehüllt, fröstelnd, mit spitzer Nase und kalkigem Gesicht. Sie war außerordentlich erregt. Wenzels Anerbieten schien sie tief verletzt zu haben.

„Wir sind allerdings verarmt,“ rief sie mit einer dünnen, unangenehmen Stimme aus. „Wir sind gezwungen, ein Stück um das andere zu verkaufen, um das Leben zu fristen. Aber das ist doch kein Grund, daß uns jeder reichgewordene Börsenspekulant, jeder Jude –“

„Mamachen!“ unterbrach sie das ältliche Mädchen mit zärtlicher Stimme.

Wer war dieser Herr Schellenberg, der da glaubte –? Nein, sie wolle um keinen Preis eine Gefälligkeit von einem völlig Unbekannten annehmen.

Hier aber erhob sich Stolpe, beteuerte, erklärte. Sein Chef, Herr Wenzel Schellenberg, bekleide den Rang eines Hauptmanns, sie verkenne ihn völlig. Es sei ihm einfach unmöglich, jemand eine geliebte Sache zu rauben. Frau von Griesbach war plötzlich völlig umgestimmt, gerührt über so viel Großherzigkeit. Sie willigte ein, die Uhr wenigstens noch einige Zeit bei sich zu haben. Ihr Herz hänge an der Uhr, besonders an dem Glockenspiel, das sie durch glücklichere Jahrzehnte begleitet habe. Die Uhr sei ein Erbstück ihrer Familie. Ihr Vater habe sie persönlich vom König von Sachsen bekommen. Sie vergoß sogar Tränen über Schellenbergs Großmut.

„Nur leihweise, Sie verstehen mich, Herr von Stolpe. Herr Schellenberg kann die Uhr jederzeit wieder abholen lassen.“

Sie ließ Wenzel eine silberne Tabakdose übersenden, um ihren Dank auszudrücken. Anders tat sie es nicht.