„Sieh diesen Brief!“ rief sie aus. „Es ist die Odysseus-Gesellschaft!“

Aber Katschinsky schien über diese frohe Botschaft gar nicht so sehr erfreut zu sein. Er nahm den Brief mit zwei Fingerspitzen auf und kniff die Lippen zusammen. „Ah, Schellenberg,“ sagte er, leise und spöttisch lachend, und kräuselte die Stirne bedeutungsvoll.

„Vielleicht ist es möglich, daß du ebenfalls bei der Gesellschaft ankommst?“ Jennys Stimme schmeichelte, sie sah, daß er blaß geworden war.

Katschinsky setzte ein verletztes Lächeln auf. „Ich brauche keine Protektion,“ sagte er gekränkt.

„Aber nun höre zu!“ rief Jenny und warf sich aufgeregt in einen Sessel. „Sie schreiben, ich möchte ihnen eine kleine Szene vorspielen, damit sie wissen, wie sie mich am günstigsten herausstellen können. Was für eine Szene soll ich spielen? Rate mir!“

Katschinsky ging nachdenklich auf und ab. „Was für eine Szene? Nun, wir wollen darüber nachdenken. Strindberg? Willst du eine Szene aus Strindbergs ‚Christine‘ spielen?“

„Ich weiß es nicht. Ich glaube, nicht Strindberg.“ Sie berieten hin und her. Endlich sprang Jenny ungeduldig auf. „Wir wollen zu Stobwasser gehen, vielleicht fällt ihm etwas ein.“

Stobwasser saß still, das Antlitz voller Sammlung, in seinem Atelier, umgeben von seinen Papageien, Kakadus, Staren und seiner Katze, und modellierte an einer kleinen Tierplastik. Er begriff nicht sofort, was die beiden wollten, die ihn überfallen hatten. Dann aber glühte in seinen dunklen Augen die Wärme auf. „Das ist ja eine herrliche Sache, Jenny!“ rief er aus. „Ich beglückwünsche Sie herzlich!“

„Das Auge eines Finanzgewaltigen ist auf Jennys blonden Scheitel gefallen,“ sagte Katschinsky sarkastisch.

Jennys Gesicht wurde hellrot, wie im Fieber. „Es wird dir nicht gelingen, mir die Freude zu verderben!“ rief sie aus. Sie lachte dabei, aber sie schämte sich für Katschinsky, der selbst vor Stobwasser seine Eifersucht nicht verbergen konnte.