Stobwasser aber schob die Arbeit zur Seite und begann nachzudenken. Ja, was sollte Jenny spielen? Es war natürlich von der größten Wichtigkeit, daß das Debüt erfolgreich verlief. Schließlich hob er die Hände zur Decke empor. „Himmel, eine Inspiration!“ rief er aus. „Laß uns nachdenken, Katschinsky. Von diesen zehn Minuten kann Jennys ganze Zukunft abhängen. Wir wollen ins Café gehen und beraten.“
Im Kaffeehaus wurde beschlossen, daß Jenny weder Strindberg noch sonst einen Dichter spielen sollte. Sie sollte eine kleine Szene vorspielen, die ihr schauspielerisches Talent und alle die Vorzüge ihrer Erscheinung ins rechte Licht setzen sollte. Ja, aber was für eine Szene?
Plötzlich hatte Jenny eine Inspiration. „Ich werde folgende Szene spielen!“ rief sie aus. „Seid still! Ich spiele einen Mannequin in einem Modesalon. Das heißt, nicht einen Mannequin, sondern eine Wachspuppe. Ein schöner Herr geht vorüber, die Wachspuppe erwacht langsam zum Leben. Der Herr fühlt es, dreht sich um, nun wird sie ganz lebendig. Sie plaudert mit dem Herrn. Da aber kommt der Abteilungschef, sie erstarrt wieder zu einer Wachspuppe. Aber sie ist nicht an der richtigen Stelle erstarrt. Nun muß sie sich ganz langsam zu ihrem Postament zurückbegeben. Endlich steht sie wieder auf dem alten Platz. Wie gefällt euch dies?“
Katschinsky schüttelte den Kopf. Er war nicht zufrieden.
Stobwasser aber sprang begeistert auf. „Was für eine wunderbare Szene!“ rief er aus. „Sie werden Augen machen. Wenn sie Sie dann nicht engagieren, ist ihnen nicht zu helfen!“
„Sie werden sie engagieren,“ sagte Katschinsky mit großer Bestimmtheit.
„Wieso weißt du das?“ fragte Jenny, verletzt durch seinen Ton.
Katschinsky lenkte ein. „Ich wollte sagen, wenn du die Szene gut durcharbeitest, so bin ich überzeugt, daß du Erfolg haben wirst.“
Jenny aber hatte seine Gedanken wohl erraten. Sie erhob sich. „Ich werde nun gehen, um gleich mit der Arbeit zu beginnen,“ sagte sie.
Katschinsky hob seinen Blick flehend zu ihr. Sie schien ihn nicht zu bemerken.