„Bitte, seien Sie ganz ruhig. Es besteht kein Grund zur Erregung.“ Die Herren verschwanden tief in ihren Sesseln, um sie ja nicht zu stören.
Als sie die kleine Szene schlecht und verwirrt gespielt hatte, drückten ihr die Direktoren anerkennend die Hand. „Wir werden sehen, Fräulein Florian. Es wird nötig sein, Sie in einer ganz besonderen Sache herauszubringen. Sie sollen der Star unserer Gesellschaft werden. Der Vertrag, den wir Ihnen anbieten, läuft über drei Jahre. Sie können ihn morgen unterzeichnen.“ Unter vielen Bücklingen komplimentierten die Direktoren Jenny hinaus. Als sich aber die Polstertür hinter Jenny geschlossen hatte, sahen sie einander bedeutungsvoll an.
„Es ist eine Katastrophe,“ schrie der eine der wohlbeleibten Direktoren. „Sie ist ja eine völlige Dilettantin!“
„Sie ist begabt,“ warf der Regisseur ein. „Und sie ist hübsch, ja schön. Ihr Körper ist ohne Tadel, ihre Bewegungen sind ungekünstelt, reizvoll, bezaubernd, rührend, voller Musik. Sie war heute verwirrt und unsicher. Überlassen Sie sie mir. In zwei Monaten ist sie nicht wiederzuerkennen.“
„Zwei Monate! Oh! du gerechter Himmel!“
Katschinsky wurde kreidebleich, als Jenny ihm Schellenbergs Brief zeigte. „Wirst du gehen, Jenny?“ fragte er, indem er die grauen Augen streng auf sie heftete.
„Natürlich werde ich gehen! Ich gefährde doch nicht meinen Ruf, wenn ich mit einem Herrn eine Opernvorstellung besuche, der guten Kreisen angehört?“
„Aber weißt du denn, wer Wenzel Schellenberg ist? Gute Kreise? Zugegeben, er war früher Offizier – sein Ruf ist jetzt nicht der beste. Du weißt, daß er einer der rücksichtslosesten Ausbeuter ist, die heute in Deutschland leben. Dazu ist er einer der bekanntesten Frauenjäger Berlins. Er hat die Frauen zu Dutzenden. Er kauft sie, wie man Ware kauft!“ Katschinskys Stimme bebte.
Nun war es an Jenny, blaß zu werden. „Beruhige dich,“ versuchte sie ihn zu besänftigen, bebend unter seinen versteckten Beschimpfungen. „Ich habe dir nie Anlaß gegeben, mich für leichtsinnig zu halten. Wie töricht ist deine Erregung! Ich werde die Oper mit ihm besuchen, um nicht ungefällig zu erscheinen, und das ist alles.“
„Also du gehst?“