„Zankt?“ Lise sah die Mutter verständnislos an.
„Zankt, ja. Ihr seid beide Kinder. Auch Wenzel, Gott, was für ein Kind er ist, ein wilder Junge, der dumme Streiche macht. Aber man muß zugeben – und ich habe es ja auch nie geleugnet –, daß er viele gute Eigenschaften hat. Zum Beispiel, er ist kühn, mutig, entschlossen, das ist eine Eigenschaft, die nicht alle Männer, ja, die wenigsten, haben. Dabei ist er ja eigentlich gutmütig –“
Lises Gesicht flammte. „Mama,“ unterbrach sie die Mutter, sofort erregt. „Du scheinst die Situation, die du ja zur Genüge kennst, absichtlich verkennen zu wollen.“
„Absichtlich? Ich bitte recht herzlich, mein Kind.“
„Ja, absichtlich. Du weißt sehr gut, daß es zwischen mir und Schellenberg aus ist, ein für allemal zu Ende.“
Frau von dem Busch lächelte nachsichtig. „Das sind nur Worte, Lise,“ entgegnete sie. „Ich habe Eheleute gekannt, die dreimal geschieden wurden und sich immer wieder heirateten. Wenzel ist eine schrankenlose Natur, er mußte sich austoben. Ich bin überzeugt, daß er jetzt schon anderer Meinung geworden ist. Jedenfalls werde ich den Versuch machen –“
Lise machte Miene aufzustehen. „Ich habe es dir hundertmal wiederholt, Mama,“ sagte sie mit eigensinnig zerknitterter Stirn. „An eine Aussöhnung ist nicht zu denken. Wenigstens was meine Person betrifft, nie, niemals. Und auch Schellenberg –“
Zärtlich griff Frau von dem Busch nach Lises Hand. „Ich meine es ja nur gut mit dir,“ fuhr sie fort, „wir können doch über all diese Dinge ruhig und offen sprechen. Deshalb bin ich ja nach Berlin gekommen. Man hört so viel. Neulich war Oberst von Carlowitz aus Berlin bei mir. Was er alles erzählte! Dieser Wenzel, wer hätte es gedacht, soll ja eine ganz fabelhafte Karriere gemacht haben! Wer hätte ihm das zugetraut? Oberst von Carlowitz sagte, Wenzel sei einer der fabelhaftesten Köpfe von Berlin. Das heißt, ich will offen sagen, an Wenzels großen Fähigkeiten habe ich ja nie gezweifelt.“
Lise verzog die Lippen. „Es quält mich, Mama,“ sagte sie.
„Aber ich verstehe nicht, wieso soll es dich denn quälen? Man muß über all diese Dinge ruhig sprechen können. Der Zeitpunkt einer Aussöhnung scheint dir also noch nicht gekommen zu sein? Das ist schade, sehr schade. Ich hätte es begrüßt. Oberst Carlowitz erzählte, daß Wenzel sich in geradezu blendenden Verhältnissen befindet. Er sprach von ungeheuren Reichtümern.“