„Ich heiße Marie,“ antwortete das Mädchen und lachte. Das Mädchen lachte nur, weil Frau von dem Busch sie duzte.

„Weshalb lachst du? Bei mir sollte ein Mädchen es sich einfallen lassen, so zu lachen. Bringe eine Nadel und einen Faden, siehst du nicht, daß eine Masche von Marions Strumpf rinnt. Oh, diese Mädchen von heute haben keine Augen im Kopf.“

Gerhard mußte der Großmutter die französische Grammatik bringen und ihr zeigen, wie weit er bereits in den Lektionen gekommen war. „Und, wie sagt man: Hier bin ich, Gerhard?“ fragte sie. Gerhard wußte wohl, wie man sagte, aber er empfand es beleidigend, daß man ihm alberne Fragen in dieser herrischen Form vortrug, und so antwortete er nicht. Seine grauen Augen glänzten abweisend, es waren Wenzels Augen. Zudem entdeckte die Großmutter Eselsohren in der Grammatik, und sie versprach Gerhard, ihm morgen zu zeigen, wie man ein Buch einbindet.

„Ein stolzes, eigenwilliges Kind, Lise,“ sagte die Großmutter. „Aber schon ist die große Begabung des Vaters unverkennbar.“

Lise staunte.

Endlich war die Begrüßung zu Ende. Frau von dem Busch hatte die Reisekleidung abgelegt. Sie küßte Lise, sah ihr lange und zärtlich in die Augen, und dann begaben sich die beiden Frauen in das Speisezimmer.

„Ich habe gleich decken lassen, Mamachen.“

„Oh, wie gut, ich bin ordentlich hungrig. Ja, es war höchste Zeit, daß ich wieder einmal nach Berlin kam, um mit dir über all die Dinge zu sprechen.“

„Wollen wir zuerst essen, Mamachen?“ fragte Lise und zerknitterte die Stirne.

Nach Tisch aber – nachdem die Kinder zu Bett gebracht worden waren – gab es für Frau von dem Busch kein Halten mehr. „So,“ sagte sie und lehnte sich in den Sessel zurück, und Lise wußte, daß die Mutter nunmehr von dem wichtigen Thema nicht mehr abzubringen war. „Also,“ begann Frau von dem Busch, „ihr zankt euch noch immer?“