Frau von dem Busch aber verlangte Herrn Schellenberg persönlich zu sprechen. Die Masse schwankte, erhob sich, beteuerte, daß es schwer sei, außerhalb der Reihenfolge – und der Rothaarige verschwand.
Man sagte mir ja, sonderbare Elemente, dachte Frau von dem Busch. Es ist natürlich manches wahr daran.
Da kam der kleine rotbäckige Leutnant mit den guten Manieren wieder und führte sie direkt in Wenzels Arbeitszimmer.
Frau von dem Busch hatte sich vorgenommen, um der „Sache ihres Kindes zu dienen“, auf Wenzel einfach zuzugehen, als sei nichts geschehen, und ihm zu sagen, daß zwischen den Menschen – aber der Blick Wenzels, der sich hinter einem großen Schreibtisch höflich erhob, belehrte sie sofort, daß bei diesem Burschen ein solcher Ton ganz und gar nicht am Platze sei.
Sie breitete nicht die Arme aus, wie sie es beabsichtigt hatte, von ihrer ganzen einstudierten Rolle blieb nur ein harmloser Ton der Anrede, dessen Unverfrorenheit Wenzel verblüffte.
„Ich bin in Berlin, Wenzel,“ sprudelte sie hervor, „und ich mußte dich sehen, um dir guten Tag zu sagen und dich zu beglückwünschen. Wie du aussiehst, prächtig. Etwas voller bist du geworden. Nicht dieses Gesicht, Wenzel – wir haben uns zuweilen gestritten, ich weiß es. Aber wir sind ja nur Menschen, und du bist klug genug, um zu vergessen.“
„Ich vergesse nichts! Ich vergesse niemals!“ fiel ihr Wenzel brüsk ins Wort. Sein Gesicht verfinsterte sich für einen Augenblick. Dann bat er sie mit einer Handbewegung, Platz zu nehmen. Seine Augen waren kalt, hart und ohne jede Gnade.
„Ich bin erstaunt, Sie hier zu sehen, Frau von dem Busch,“ sagte er hierauf, indem er die Augen ruhig und leidenschaftslos auf das Gesicht seiner Schwiegermutter heftete. „Was wollen Sie?“
Wenzel war der alten Dame vom ersten Augenblick an überlegen. Er war, nachdem er sich von der ersten Verblüffung erholt hatte, völlig ruhig, sachlich, geschäftsmäßig, während sie vor Erregung bebte.
„Ich bin gekommen, Wenzel,“ sagte Frau von dem Busch, die plötzlich ihre Sicherheit verloren hatte, „um mit dir die geschäftlichen Angelegenheiten Lises zu ordnen.“