Der Film gefiel. Nun, da die Regisseure ihm die Maske gemacht hatten, zeigte es sich, daß Katschinsky mit seinem schmalen Gesicht, seinen etwas schrägstehenden Mandelaugen, seinem blasierten Mund sich außerordentlich gut photographieren ließ. Er war gerade jener Typ schöner junger, amerikanisch aussehender Männer, den man suchte. Die Gesellschaft unterbreitete ihm einen Jahresvertrag. Der Erfolg machte Katschinsky sicherer, seiner Eitelkeit wurde geschmeichelt, und er fand wieder etwas Halt. Er hatte Jenny keineswegs vergessen. Noch häufig versuchte er einen Blick von ihr zu erhaschen. Aber er zitterte nicht mehr, er erbleichte nicht mehr.
Eines Tages, als er am Eden vorbeischlenderte, lief er Jenny in die Arme. Plötzlich stand sie vor ihm, wie aus dem Boden gewachsen. Sie hielt den Schritt an und betrachtete ihn mit erschrockenen, hilflosen Augen.
Ja, nun zitterte sie, und er war ganz ruhig. Er wechselte die Farbe, dann zog er den Hut und begrüßte Jenny, als sei nichts vorgefallen.
„Ich bitte dich um Verzeihung, Jenny,“ sagte er mit seinem hübschesten Lächeln. „Der Teufel ist in mich gefahren, wie konnte ich dir eine solche Szene machen, es ist mir heute unbegreiflich. Aber begreife, Jenny, daß ich toll war vor Eifersucht. Nichts aber ist hündischer als Eifersucht, und du weißt, Jenny, daß das immer meine Ansicht war.“ Schon lächelte er leichtsinnig und fröhlich. „Es ist viel besser, daß wir gute Kameraden sind, Jenny. Findest du nicht auch?“
„Es ist gewiß viel vernünftiger,“ antwortete Jenny und nahm seine Hand. „Du bist ein törichter Junge gewesen.“ Sie gingen nebeneinander her und plauderten wie gute Freunde.
Ja, nun waren sie wieder gute Freunde geworden. Katschinsky erwies ihr Aufmerksamkeiten. Er sandte ihr Blumen und Bücher. Sie sah seine Bemühungen, alles wieder gutzumachen, und sie freute sich darüber. Dann und wann besuchte er sie auch zum Tee. Sie trafen sich in den Filmateliers zuweilen zufällig. Katschinsky benahm sich immer gleichmäßig kameradschaftlich.
Eines Abends aber – sie waren zusammen mit Stobwasser im Café gewesen – änderte er plötzlich den Ton. Sie gingen durch eine dunkle, menschenleere Straße. Er berührte plötzlich ihren Arm und drückte ihn zart an sich. „Höre, Jenny,“ begann er, bemüht seine Erregung zu verbergen, „ich will dir alles beichten. Ich habe das Bedürfnis, dir alles zu gestehen, was geschehen ist.“
Die Berührung seiner Hand empfand Jenny unangenehm. Dieser leichte Druck seiner Hand verletzte sie – obgleich sie ihn einst geliebt hatte –, nur aus Nachsicht duldete sie seine Berührung. Mit hochgezogenen Brauen und nervösen, gequälten Lippen hörte sie seine Beichte.
Er gestand ihr alles: wie er ihr auflauerte, wie er trank, bis er sinnlos betrunken war, wie er den Straßenmädchen die Geschichte erzählte von seiner schönen Geliebten, die an der Grippe gestorben sei.
Jenny zog die Schultern an. Sie zog sich scheu wie ein Tier, das sich bedroht fühlt, zurück. Sie machte ihren Arm frei und trug Sorge, daß auch ihr Gewand ihn nicht berührte. Und mit jedem Wort, das er sprach, hervorstieß, stammelte, mit jedem Wort entfernte sie sich mehr von ihm. Jedes Wort trieb sie in immer weitere Fernen. Sie hätte Lust gehabt zu laufen, aber sie wußte, daß er ihr dann nachgelaufen wäre, und sie wollte vor den wenigen Menschen, die diese Straße passierten, jegliches Aufsehen vermeiden. Seine Worte waren verletzend, sie schmerzten und beleidigten sie, sie waren schamlos. „Sieh, so liebe ich dich, Jenny, so maßlos liebe ich dich! Ich kann deinen Körper nicht vergessen! Verstehe mich doch, fühle es doch!“