Stobwassers Tiere hatte der große Besuch unruhig gemacht. Die Vögel sprangen neugierig in ihren Käfigen hin und her. Der Kakadu knarrte und streckte den Kopf durch das Gitter. Der grüne Papagei turnte an seinen Ringen und schlug mit den Flügeln. Die pechschwarze Katze aber saß auf dem Bettpfosten und starrte mit ihren großen grünen Augen unaufhörlich auf das kleine Kind. Das Kind begann zu schreien, und Christine reichte ihm die Brust. Sie neigte dabei leicht den Kopf, und ein unmerkliches Lächeln lag auf ihrem bleichen Gesicht. In dieses Gesicht hatte das Schicksal Furchen und Linien geschrieben, so daß Christine um zehn Jahre gealtert schien. Sie trank eine Tasse Tee, dann lag sie wieder still und sah zur Decke empor. Bald schlief sie erschöpft ein.

Stobwasser und Georg saßen still. Der Bildhauer rauchte seine Pfeife, und nur zuweilen flüsterten sie einige Worte.

„Was ist mit ihr?“ fragte Stobwasser leise.

„Ich weiß es nicht, sie ist krank.“

„Nun, es wird alles gut werden.“

„Und das Kind, Stobwasser? Was sagst du zu meinem Kinde?“ Georgs Augen glänzten. „Mein Kind!“

„Es ist in der Tat ein sehr schönes Kind,“ antwortete Stobwasser voller Überzeugung. „Ein außerordentlich schönes und genial aussehendes Kind!“

Und wieder schwiegen sie lange, und jeder dachte seine eigenen Gedanken.

17

Früh am nächsten Morgen begab sich Georg in das Bürohaus „Neu-Deutschland“, um dem Referenten seine Bitte vorzutragen, Christine und das Kind nach Glückshorst mitnehmen zu dürfen.