„Wir werden ein Auto nehmen!“ entschied Georg.
Drei Stunden, nachdem Georg Christine verlassen hatte, war er schon wieder zurück. „Ich bringe das Geld!“ rief er dem grauhaarigen Weib mit der gespaltenen Stirn zu, indem er sich den Schweiß von der Stirn wischte.
Aber die Alte hatte es sich anders überlegt. „Es sind nur zweihundertundfünfzig Mark! Es sind aber mehr als dreihundert Mark!“ keifte sie. „Wir haben uns barmherzig erwiesen, und das ist nun der Dank!“
Da aber verwandelte sich Georg plötzlich. Er schwang die Faust und machte Miene, sich auf die Alte zu stürzen. Stobwasser hatte ihn nie so gesehen. „Wir geben nicht mehr! Wir können nicht mehr geben! Das ist alles, was wir aufbringen konnten!“ schrie Georg mit drohender Gebärde. Und nun willigte die Alte ein, daß Christine die Wohnung verlassen könne.
Aber Christine war so schwach, daß sie nicht imstande war, die Treppe hinabzugehen. Georg nahm sie auf den Arm und trug sie hinunter. Stobwasser kam hinterher mit dem Kinde, das in einen alten Lappen gewickelt war. Der junge Mensch und das alte Weib mit der gespaltenen Stirn schrien freche Scherze in das Stiegenhaus hinab.
Sie fuhren nach Stobwassers Werkstatt.
„Es ist ein Glück, daß ich heute geheizt habe!“ rief Stobwasser vergnügt aus und rieb sich die Hände. „Ich heize nur, wenn ich Modell habe.“
Der Bildhauer schürte den Ofen, daß das rostige Rohr, das durch die Werkstatt führte, zu krachen begann. Er kochte Tee. Dann stürzte er aus dem Hause, um das Abendbrot einzukaufen. Brot, Butter, Eier und sogar ein Viertel Schinken besorgte Stobwasser.
„Nun wird es gemütlich bei uns!“ rief er vergnügt aus, und auf seinen Wangen erschienen rote Flecke vor Eifer. „Es ist selbstverständlich, daß ihr bei mir übernachtet, wo solltet ihr hin? Wir werden uns schon zurechtfinden. Und Sie, Christine, Sie sollen sich ausruhen,“ sagte er, während er den Tisch abräumte, einige Zeitungen über die schmutzige Tischplatte breitete und das Abendbrot servierte.
Christine schwieg noch immer. Georg und Stobwasser hatten sie genötigt, sich auf Stobwassers Bett auszustrecken. Da also lag sie nun, bleich und still, die fiebernden Augen zur Decke gerichtet, das Kind an ihrer Seite. Sie wiegte nur unmerklich den Kopf hin und her, wenn Georg eine Frage an sie richtete. Ihre Lippen zuckten verquält, und wenn er sie berühren wollte, so ging ein Zittern über ihren ganzen Körper.