Christine fügte sich willig. Sie hatte nur eine Bedingung gestellt, daß er, Georg, nie eine Frage an sie richte. Sie selbst werde ihm einst alles erzählen.
Als es dämmerte, kamen sie in Glückshorst an. Eine Weile standen sie verlegen auf der Straße. Der Wind blies. Christine hielt das in eine Decke gehüllte Kind auf den Armen, dann erstattete Georg Lehmann Bericht und übergab Christine und das Kind der Fürsorge der Mutter Karsten. „Was für ein schönes Kind!“ rief die Alte aus und hob das Kind in die Höhe, um das Geschlecht festzustellen. „Ein Knabe! Wie heißt er?“
„Er heißt Georg,“ sagte Christine.
„Etwas bleich sieht Ihre kleine Frau aus,“ sagte Mutter Karsten dann zu Georg. „Aber wir werden sie schon herausfuttern.“
Der Schlächter-Moritz streckte den dicken Kopf in die Tür, dann überbrachte er der Baracke die Neuigkeit. Aber die Männer regten sich nicht im geringsten darüber auf. Eine Frau, ein Kind, was war weiter dabei?
„Sie kommen gerade noch zur rechten Zeit, Weidenbach,“ sagte Lehmann. „Morgen früh fangen wir mit den Häusern an.“
18
Es war kaum richtig Tag, da rief Lehmann schon zur Arbeit. Fünfhundert Häuser sollten vorläufig in Glückshorst errichtet werden, und die Gesellschaft hatte Lehmann wissen lassen, daß sie keinen Spaß verstehe. Kein Wunder, daß der Einarmige etwas erregt war und zur Eile antrieb.
Bauplätze, Straßen, alles war genau vermessen und durch Pflöcke gekennzeichnet. Als die Sonne über dem Walde heraufkam, wimmelte es schon von Arbeitergruppen im Gelände. Georg führte jene Gruppen, die den Grund der Häuser aushuben. Siebzig Zentimeter tief und siebzig Zentimeter breit mußte der Boden für die Grundmauern ausgehoben werden. Bis auf wenige Gebäude waren die Häuser alle gleich groß. Sie waren zehn Meter lang und viereinhalb Meter breit. Georgs erste Arbeitsgruppe trug besondere Meßlatten mit sich; ihre Aufgabe bestand darin, den Grundriß des Aushubs mit dem Spaten genau vorzuzeichnen. Die zweite Gruppe hob die Erde bis zur vorgeschriebenen Tiefe aus, und der dritten Arbeitsgruppe lag die Aufgabe ob, die Arbeit der früheren Gruppen sorgfältig nachzuprüfen und auszugleichen. Vom Kanal aus hatte Georg die Arbeit aufgenommen, und schon am Nachmittag wurden Geleise für die Karren gelegt, die das Baumaterial von den Kähnen herauf befördern sollten, und schon am nächsten Morgen wurde mit dem eigentlichen Bau begonnen. Die Arbeit war ganz ähnlich eingeteilt, wie die des Aushubs der Erde. Jede Kleinigkeit war vorgesehen und vorbereitet. Die Betonmischmaschine des Schleppkahns begann zu arbeiten, und schon rollten die Karren über das Gelände, die die Betonmassen zu den Baustellen beförderten. Aus Brettern gefügte Gehäuse wurden in die Ausschachtungen gesetzt und mit Beton vollgeschüttet. So ging es von Haus zu Haus. Und während oben die Arbeitsgruppen noch beschäftigt waren, die Erde auszuheben, wurden unten am Kanal bereits die Grundmauern gestampft.
Lehmann hatte gegen zweihundert Arbeiter zur Verfügung, dazu war noch eine Gruppe gelernter Bauarbeiter gestoßen, die diese Arbeit in anderen Siedlungen schon hundertfach ausgeführt hatte. Mit der Gleichmäßigkeit und Präzision einer Maschine bewegten sich Lehmanns Arbeitsgruppen über das Baufeld. Nicht die geringste Störung entging ihm, nicht der geringste Aufenthalt. Der Schweiß lief den Männern übers Gesicht.