Unnötig zu sagen, daß der Schlächter-Moritz, dieser Berg von Muskeln, in diesen Tagen wahre Wunder verrichtete. Es war in der Tat unbegreiflich, mit welcher Schnelligkeit er sich in die Erde einwühlte. Später übergab ihm Lehmann die Kolonnen, die die Betonmassen einstampften, und nun hörte man Moritz vom frühen Morgen bis zum späten Abend brüllen. Nichts ging ihm schnell genug.
Schon aber schob sich auf dem stillen Kanal ein neuer eiserner Kahn heran, der weiteres Material brachte. Es waren Zementrahmen, aus denen die Hauswände zusammengestellt wurden, ganz ähnlich den Abmessungen des früheren Holzfachwerks. Diese Rahmen waren etwas über zwei Meter hoch und einen Meter breit. Eine Type von Rahmen enthielt eine Öffnung für die Türe, eine andere Type Ausschnitte für die Fenster.
Alles war Typ, alles war Norm, jede noch so unscheinbare Einzelheit. Die Gesellschaft baute Häuser, wie man Fahrräder oder Automobile serienweise fabriziert.
Es begann das Aufrichten und Ausloten des Rahmenwerks, das Zusammenfügen. Diese Zementrahmen für die Außenwände und die Querwand, die jedes Haus in zwei Räume teilte, wurden in besonderen über das ganze Land verstreuten Zementfabriken der Gesellschaft hergestellt. Das Ausmauern des Rahmenwerkes aber war eine Arbeit, die selbst jeder Laie leicht unter der Anleitung eines geschulten Vorarbeiters ausführen konnte. Die Maschine preßte die Mauersteine aus dem Material, das sie an Ort und Stelle vorfand.
Ein neuer Kahn kam den Kanal herauf. Er brachte Holz, Balken, Bretter. Schon sah man reihenweise die Skelette von neuen Gebäuden stehen. Während die Häuser aus der Erde wuchsen, erkannte man deutlich Straßen, Nebenstraßen und die Abmessung der Gärten.
Die Zimmerleute kletterten in den Dachgestühlen. Die Äxte blitzten, und es dröhnte von allen Seiten. Es kamen Ingenieure aus Berlin zur Inspektion und gingen wieder. Lehmanns Gesicht strahlte vor Freude. Die Stadt wuchs empor. Täglich sah man, wie sie sich ruckweise aus dem Boden hob.
Immer noch kämpfte der Schlächter-Moritz seinen heroischen Kampf mit den Betonmassen vom frühen Morgen bis in die späte Nacht.
„Wollen Sie hier eine Schlächterei errichten?“ fragte ihn Lehmann eines Tages.
Der Schlächter warf sich in die Brust: „Ich?“ erwiderte er, während er sich mit dem bloßen Arm den Schweiß vom Gesicht strich. „Ich habe kein Geld, ich habe kein Kapital.“
„Das wird sich alles finden. Wenn Sie wollen, Moritz, ist die Sache abgemacht.“