Vielleicht war alles nur ein Manöver gewesen, das Wenzel selbst eingeleitet hatte?
In diesen Tagen kaufte Wenzel den Rennstall des Herrn von Kühne. Zweiunddreißig Pferde, darunter ganz hervorragendes Material. Einen früheren bekannten Herrenreiter hohen Adels engagierte er als Trainer.
Nun sah man die Schellenbergschen Farben auf jedem Rennen. Jenny hatte sie auf Wenzels Wunsch vorgeschlagen. Die Jacke war gelb, die Ärmel rotweiß gestreift. Auch in der Ferne konnte man die Schellenbergschen Farben mitten im jagenden Rudel gut erkennen.
Es zeigte sich nun auch, daß Schellenberg nicht im Traum daran dachte, sein im Grunewald neuerbautes Palais zu verkaufen. Weshalb er aber plötzlich alle Arbeiten eingestellt hatte, weshalb er seinen Anwälten den Auftrag gab, mit den Lieferanten, Baumeistern und Baufirmen zu verhandeln und die Rechnungen abzuschließen – das wußte nur Schellenberg allein.
Auch die Nachricht über den Verkauf seiner Jacht erwies sich als Legende. Allerdings war die Jacht, dies entsprach der Wahrheit, plötzlich nach England gefahren. Der Kapitän hatte den Auftrag, die Jacht nach Hull zu bringen, um dort weitere Befehle abzuwarten. In verschiedenen Zeitungen erschien damals die Notiz, daß Lord Beaverbrook als Käufer der Jacht genannt werde. Nach einigen Wochen aber erhielt der Kapitän in Hull die Order, das Schiff wieder nach Warnemünde zu steuern. Wenzel dachte nicht im Schlafe daran, die Jacht zu verkaufen. Weshalb aber hatte er sie nach Hull geschickt? Und in seinem neuen Palais im Grunewald wimmelte es wieder von Handwerkern.
Jede Woche fuhr Wenzel zwei-, dreimal mit Jenny hinaus in den Grunewald, um den Fortgang der Arbeiten zu kontrollieren. War er verhindert, so fuhr Jenny allein, denn Wenzel hatte Jenny zum „obersten Bauleiter“ ernannt. Sie tänzelte, in ihren Mantel gewickelt, lächelnd durch die Säle, und die Architekten küßten ihr die Hand. Die Maler und Handwerker grüßten freundlich von den Gerüsten herab. Jenny gehörte zu jenen Menschen, die gute Laune erzeugen, wo immer sie erscheinen. Und doch, sie sprach nur wenig, sie grüßte freundlich, lächelte.
Alles in dem Gebäude war von großer Pracht und letzter Gediegenheit. Das kostbarste Material, die teuersten Edelhölzer waren verwendet worden zu Türen, Wandbekleidung und Parkettböden. Im großen Speisesaal waren die Wände bespannt mit kostbaren Seidenstickereien. Zwanzig Arbeiterinnen hatten zwei Jahre an diesen Bespannungen gestickt. Marmor, Bronze, Brokat, die Decken Wunderwerke, Saal an Saal. Die Bibliothek, in Ausmaß und Pracht wie die eines Schlosses. In halbfertigen Gemächern standen Möbel, Berge von Kisten. Wenzel hatte seine besonderen Einkäufer für Antiquitäten, Bilder, Bücher. Das Palais enthielt zwanzig Gastzimmer, jedes mit einem Bad, und alle verschieden und originell. Was Jenny am meisten interessierte, waren die Küchen- und Kellerräume. Hier lagen die Zimmer für die Dienerschaft. Hier lagen zwei Badeanlagen für die männliche und weibliche Bedienung. Hier war der Weinkeller, mit dem letzten Raffinement ausgestattet. Und hier lag, erst halb fertig, das Schwimmbassin des Hausherrn, fünfzehn Meter lang und fünf Meter breit. Es war von Wenzels Gemächern aus über eine Treppe aus weißem Marmor zu erreichen.
Für dieses Schwimmbassin hatte Jenny eine blendende Idee! „Es ist mir etwas eingefallen, Wenzel,“ sagte sie. „Darf ich Vorschläge machen?“
„Aber gewiß, du hast doch die Bauleitung.“
Jenny also ging zu Stobwasser. „Hören Sie, Stobwasser,“ sagte sie, „sehen Sie zu, daß Sie einige Ihrer Keramiken zusammenbringen, und räumen Sie ein bißchen auf. Morgen oder übermorgen, ich kann es noch nicht genau sagen, bringe ich Ihnen einen Kunden. Aber sehen Sie zu, daß es nicht so unordentlich aussieht.“