„Es sind dreißig Stück,“ antwortete Wenzel. „Ich bestelle sie hiermit und bitte Sie, sich möglichst zu beeilen.“

Als die beiden die Tür hinter sich geschlossen hatten, stand Stobwasser immer noch mit offenem Munde da, die spitze Nase gegen die Tür gestreckt.

„Dreißig Stück, du lieber Himmel,“ sagte er, und die Beine begannen ihm zu zittern. Er mußte sich in den Stuhl setzen. Er konnte sein Glück gar nicht fassen.

„Dein Freund Stobwasser ist ein ganz reizender Mensch,“ sagte Wenzel zu Jenny. „Ich liebe diese einfachen Menschen, die etwas können. Sie sind so selten bei uns.“

23

Es war natürlich, daß Wenzel fortan auf allen Rennbahnen zu sehen war, wo seine Pferde liefen. Herr von Kühne hatte im vorigen Jahre und in diesem Frühjahr mit seinem Stall keine besonderen Erfolge erzielt. Aber es schien, als hätten die Pferde nur darauf gewartet, in Wenzels Besitz zu kommen. Sie liefen, daß es eine Freude war. Sie waren nicht mehr krank. Sie husteten nicht mehr. Sie lahmten nicht mehr. Ein Hengst, der Hengst ‚Kardinal‘, ein völlig unbekanntes Pferd, das Herr von Kühne schon hatte verkaufen wollen, gewann ein bedeutendes Rennen gegen hohe Klasse.

„Sieh doch, wie er läuft!“ schrie Wenzel vor Entzücken und lachte laut auf.

In der Tat, ‚Kardinal‘ lief vier Pferdelängen vor dem Rudel und zog in einer rasenden Fahrt dahin. Die gelbe Jacke blitzte in der Sonne. Die Tribünen waren stumm vor Verblüffung. Kardinal gewann im Kanter. Jenny klatschte, daß ihre Handschuhe platzten. Sie hatte auf Wenzels Rat hundert Mark auf ‚Kardinal‘ gesetzt.

Mackentin beglückwünschte Wenzel zu diesem überraschenden Siege. „Wird Ihnen bei all diesem Glück nicht zuweilen etwas unbehaglich, Schellenberg?“ fragte er.

„O nein, nicht im geringsten. Ich bin schwindelfrei,“ erwiderte Wenzel.