Käme doch dieser erste August bald! Endlich wurden die Vorbereitungen für die Sommerreise getroffen. Man wollte drei Wochen mit der Jacht auf der Ostsee segeln. Wenzel wollte nur Stolpe und Mackentin mitnehmen und Stobwasser einladen.

„Und dann habe ich noch diese Fritzi Frettchen eingeladen, du erinnerst dich, diese kleine freche Person. Sie soll uns vorsingen.“

Jenny blickte zu Boden. Ihre Wimpern zitterten. Sie sagte leise: „Dann bleibe ich zu Hause.“

„Wenn du ein Ultimatum stellst,“ sagte Wenzel lachend, „dann werde ich diese Fritzi Frettchen wieder ausladen. Sie wird es verwinden.“

Mackentin wollte seine Frau mitbringen, eine geborene Baronin Biberstein, eine stille, etwas korpulente Dame, die Jenny bemutterte. Dagegen hatte Jenny nichts einzuwenden. Sie lachte in sich hinein. Diese Frau Mackentin war ganz ungefährlich.

Aber die Abreise wurde von Tag zu Tag verschoben. Goldbaum erkrankte, und Wenzel konnte nicht reisen, bevor Goldbaum die Geschäfte übernahm. Dieser fürchterliche fette Goldbaum, der von früh bis nachts Speisen in sich hineinschlang. Gewiß hatte er sich den Magen verdorben. Mitte August endlich fuhren sie ab. Stolpe war am Tage vorher mit dem Gepäck vorausgefahren. Am nächsten Morgen rasten sie mit dem hundertpferdigen Wagen nach Warnemünde, wo die Jacht lag.

Stobwasser, der neben dem Chauffeur saß, liefen die Tränen aus den Augen bei der scharfen Fahrt, und wenn er das Gesicht zur Seite drehte, so bog der Wind seine lange Nase um. Die Luft heulte und schrie.

Wenzel machte es ein knabenhaftes Vergnügen, in diesem Höllentempo dahinzujagen. Jenny aber war froh, als sie wohlbehalten in Warnemünde eintrafen.

24

Da lag die Jacht „Kleopatra“, dunkelblau gestrichen, glatt wie Seide. Zehn Matrosen standen in Reih und Glied an Bord, und der Kapitän begrüßte sie. Jenny klopfte das Herz, als sie das Schiff betrat. Sie hatte es sich nicht so groß vorgestellt. Alles war blitzblank und wunderbar, und der Mast, welch eine Höhe! Ein kleiner Dampfer schleppte sie an der Mole und am Leuchtturm vorbei hinaus ins Meer. Es wehte nur eine leichte Brise, der Tag war herrlich. Die Segel stiegen in die Höhe, der kleine Schlepper warf los, und es ging dahin. Schon aber ertönte das Gong, und der Steward bat zu Tisch. Die Tafel war herrlich geschmückt, Blumen, kostbares altes Silber.