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Am Morgen hatte Esther noch ein großes Programm für die Woche entworfen, am Mittag erklärte sie, einer plötzlichen Laune folgend, daß sie morgen früh nach Paris abreisen werde.

Die Freunde gaben ihr ein Abschiedsbankett, und Esthers brennendroter Haarschopf sah in der Tat kaum eine Handbreit aus den Bergen von Blumen hervor, die man auf der Tafel angehäuft hatte. Sie genoß strahlend ihren Triumph.

Schon war das Foyer des Hotels angefüllt mit ihren Koffern. Und in einer Ecke türmten sich die eleganten, nagelneuen Koffer des Barons Blau, der es sich nicht nehmen ließ, Esther persönlich nach Paris zu begleiten. Major Fairfax mußte, so sehr er es bedauerte, noch eine Woche in Sankt Moritz bleiben, da er zum Skeletonrennen gemeldet hatte. Am Morgen standen die Schlitten bereit, einer für Esther und Baron Blau, ein zweiter für die Blumen und ein dritter für die Dienerschaft der beiden.

„Leben Sie wohl, Schellenberg,“ sagte Esther lachend auf englisch zu Wenzel. „Ich hoffe, Sie wiederzusehen.“

Wenzel hatte Esther ein Riesenbukett von gelben Rosen ins Coupé bringen lassen, einen ungeheuren Strauß, der eine ganze Ecke ausfüllte.

„Oh, hier sind ja auch noch Blumen!“ rief Esther mit der Stimme eines erfreuten Kindes aus und nahm die Karte aus dem Bukett „Wenzel Schellenberg!“ sagte sie. „Seht an! Wie originell!“

Es war ihr gar nicht aufgefallen, daß Wenzel ihr bis zu dieser Minute keine Blumen gesandt hatte. Sie nahm es als selbstverständlich an. Alle hatten ihr Blumen geschickt, natürlich auch Wenzel. Sein origineller Gedanke, sich auf diese Weise bei ihr nochmals in Erinnerung zu bringen, fand ihren Beifall.

Sie wußte nicht, daß Wenzel sich einen ganz besonderen Plan zurechtgelegt hatte.

Als Esther ihre Gemächer im Hotel de Riz in Paris betrat, waren natürlich auch diese Räume schon angefüllt mit Blumen. Die Pariser Freunde hießen Esther willkommen. Während die Abschiedssträuße aus Sankt Moritz auf irgendeinem Kehrichthaufen eines rußigen Bahnhofs verwelkten, war hier schon ein neuer Blütengarten aus Flieder, Rosen, Maiglöckchen, Tulpen, Narzissen wie durch Zauberei erstanden.