„Sie müssen mit uns speisen!“ rief sie aus. „Und hier ist Sir John, mein früherer Gatte. Sie sehen, wir sind gute Freunde geblieben.“

Am nächsten Abend schon machten sie einen ihrer gewöhnlichen Abendausflüge nach einem Vorstadttanzlokal, ganz als sei nichts geschehen.

Einige Tage später reiste Wenzel nach Berlin, aber nach fünf Tagen war er schon wieder in Paris.

9

Es fing bereits an zu dämmern. Christine, den kleinen Georg auf dem Arm, stand am Waldrand – gerade da, wo sich früher die ersten Arbeitsschuppen befunden hatten – und spähte die Landstraße hinab. Schon eine Stunde stand sie hier und wartete. Ihr Gesicht schimmerte bläulich in der Dämmerung, das Umschlagetuch auf ihren schmalen Schultern flatterte im Abendwind. Endlich erblickte sie Georg. Mit seiner kleinen Reisetasche in der Hand kam er raschen Schrittes daher. Als er seine Frau mit dem Kinde sah, begann er zu laufen. Auch Christine lief.

„Willkommen zurück!“ rief sie und streckte ihm das Kind entgegen.

Georg herzte das Kind und küßte Christine. Sie umschlang ihn, und während sie vor Freude lachte, sprangen ihr die Tränen über das Gesicht.

Georg war verreist gewesen, volle vier Tage. Zum ersten Male, seit sie nach Glückshorst gekommen waren, hatten sie sich getrennt. Diese vier Tage aber waren Christine endlos erschienen. Sollte man es für möglich halten, wie lange ein Tag sein konnte? Abend für Abend war sie mit dem Kinde die Landstraße entlang gegangen, obwohl sie wußte, daß Georg erst heute kommen konnte. Endlich war er wieder bei ihr.

„Wie geht es euch, und was gibt es Neues?“ fragte Georg.

„Eine Menge Post ist da!“ antwortete Christine, während sie den Arm um Georgs Schulter legte. „Ich habe alle Telephongespräche aufgeschrieben, und – fast hätte ich es vergessen – der Plan von Glückshorst ist aus Berlin zurückgekommen.“