„Da bist du ja wieder,“ sagte Jenny Florian freudig lächelnd und schmiegte den zarten Arm sanft um Wenzels Nacken. Ihre Augen strahlten von einer tiefen und milden Freude.
Der Klang ihrer weichen, gütigen Stimme, die zärtlich gesprochenen Vokale griffen an Wenzels Herz. Seit langer Zeit hatte er diese schöne Stimme nicht mehr vernommen.
„Da bin ich wieder, mein Liebling,“ erwiderte er laut, mit etwas gemachter Lustigkeit, um die Bewegung zu verbergen, die ihn ergriffen hatte, als er Jenny, zarter, etwas schmaler im Gesicht, eilig die Treppe herabkommen sah. Auch nicht der leiseste Vorwurf stand in ihren Augen. Er küßte sie herzhaft auf den Mund.
Jenny geleitete ihn in das Haus. Überall Blumen, er sollte sehen, daß sie sich auf seine Rückkehr gefreut hatte.
Ja, nun war also Wenzel wieder in Berlin, und es sah ganz so aus, als habe sich unterdessen nicht das mindeste ereignet und solle alles bleiben wie früher.
Wenzel verbrachte fast alle Abende mit ihr, was er früher nicht getan hatte. Sie besuchten Gesellschaften, Theater, Rennen, zumeist aber speisten sie in Jennys Haus. Wenzel war herzlich, voll Interesse für alles, was Jenny betraf, ein guter Kamerad und Freund. Sie beobachtete jedoch häufig eine sonderbare Zerstreutheit an ihm, die sie früher nie bemerkt hatte. Oft stand Wenzel auf, um nachdenklich und unruhig im Zimmer hin- und herzugehen.
„Woran denkst du?“ fragte sie.
Wenzel schüttelte den Kopf. Er gab ihr auf diese Frage keine Antwort.
Jenny hatte von seinen Beziehungen zu Esther Weatherleigh gehört, natürlich. Sie wußte, daß ihn diese Frau mehr als andere beschäftigte, aber es ging doch wohl nicht an, seine Unruhe auf diese Frau zurückzuführen. „Hast du Sorgen?“ fragte Jenny schmeichelnd.
Wenzel schüttelte den Kopf. Er hatte keine Sorgen.