„Sie sollen nicht lachen über diese Frage!“ rief er, viel zu laut für einen Gentleman, und trat auf die Statue zu und faßte sie an den Schultern. Ihre nackten Arme fühlten sich wie Eis an in seinen Händen, wie Eis, das brannte. „Ich habe diese Frage nie an eine Frau mit solcher Aufrichtigkeit gerichtet.“
„Sie tun mir weh,“ sagte Esther leise, indem sie den Kopf senkte. „Oh, wie verwegen Sie sind! Ich hasse Entschlüsse. Ich hasse vor allem rasche Entschlüsse. Sie wissen sehr wohl, daß Sie mir nicht gleichgültig sind, Wenzel, aber ich liebe Sie nicht. Sie verlangen zuviel. Ich glaube nicht, daß ich aufrichtig lieben kann.“
Darauf Wenzel: „Ich verlange ja gar nicht, daß Sie mich lieben. Ich verlange nur, daß Sie meine Frau werden.“
„Das ist mir zu wenig,“ antwortete Esther.
„Dann werden Sie meine Geliebte!“
„Das ist mir zuviel,“ entgegnete Esther mit einem Lächeln. „Aber,“ fuhr sie zögernd fort, „vielleicht läßt sich darüber sprechen, Wenzel Schellenberg. Ohne Bedingungen, hören Sie. Wir wollen dem Himmel die Entscheidung überlassen. Gehen wir diese Allee hinunter. Fällt eine Sternschnuppe, so haben Sie gewonnen, fällt keine Sternschnuppe, so versprechen Sie mir, nie wieder auf diese Dinge zurückzukommen. Gilt das?“
„Es gilt!“
Sie gingen durch die Allee, die hellen Gesichter zum Firmament gerichtet. Kaum aber waren sie zehn Schritte gegangen, als ein leuchtendes Meteor über das Firmament zog.
Esther stieß einen Schrei aus und griff mit der Hand nach Wenzel. „Sie haben gewonnen, Wenzel!“ rief sie und lachte.