Esther blieb stehen. Im Dunkeln stand sie schmal wie eine Statue vor Erstaunen. „Und was bezwecken Sie damit?“ fragte sie – oh, nun war sie wirklich schlechter Laune – und die Statue schien noch schmaler und steifer zu werden.
Lächelnd und etwas spöttisch erwiderte Wenzel: „Spielen Sie nicht die gekränkte Göttin, ich beschwöre Sie. Sie sehen ja, daß ich das Komplott sofort selbst aufdeckte, als ich sah, daß es Ihnen kein Vergnügen macht, länger hier zu bleiben. Ich will Ihnen auch ganz offen gestehen, was ich mit dieser kleinen Komödie bezweckte. Sie sind in Paris immer von einem Schwarm von Menschen umgeben, und selbst, wenn wir allein ausgehen, befinden wir uns inmitten von Menschen. Ich hatte schon lange den Plan, Sie in dieses stille Hotel, das ich durch Zufall entdeckte, zu verschleppen, um mit Ihnen ruhig über gewisse Dinge sprechen zu können.“
Esther ging weiter. „Welche Dinge wollen Sie denn mit mir besprechen?“ fragte sie mit gemachtem Erstaunen. Als ob sie gar nicht ahnen könne, um welche Dinge es sich handeln könnte.
„Es ist eine sehr einfache Sache,“ fuhr Wenzel fort, etwas unsicher und tastend. „Da ist dieser Baron Blau, und da ist dieser Major Fairfax, und ...“
„Und da sind noch andere,“ unterbrach ihn Esther.
Wenzel sah in der matten Dunkelheit des Parkes, daß ihre Zähne blitzten.
„Nun gut, und noch andere. Und da bin ich. Ich habe keineswegs Lust, die lächerliche Rolle eines Barons Blau oder eines anderen zu spielen, Esther Weatherleigh!“
Und wieder blieb Esther vor Erstaunen stehen und wurde zu einer schmalen, steifen Statue.
„Ich wollte mit Ihnen über diese Dinge ausführlich sprechen, aber es ist vielleicht besser, wenn wir wenig Worte machen. Sie sollen sich entscheiden, Esther Weatherleigh. Entweder ich oder einer der andern!“
Esther lachte. Dieses Lachen war frivol, hochmütig und verletzend. Augenblicklich verlor Wenzel die Besinnung. Viele Monate lang hatte er sich dieser Frau gegenüber beherrscht, und oft war es ihm nicht leicht gewesen. Dieses Lachen aber brachte ihn außer sich.