Eva dachte lange nach, dann sagte sie: „Sie ist interessant und geistreich, aber ich könnte ihr niemals volles Vertrauen schenken.“
Schon am nächsten Tage fuhr Esther nach England zurück. Mitte Dezember sollte die Hochzeit in London stattfinden. Es war Esthers Wunsch. Sie wollte alle ihre englischen Freunde um sich sehen. Der alte Raucheisen hatte ihr versprochen, zu kommen, trotz der beschwerlichen Reise. In Wahrheit hatte er aufgeatmet: wenn die Hochzeit nur nicht in Berlin stattfand.
Wenzel gab seiner Jacht „Kleopatra“ den Auftrag, ihn vom zehnten Dezember an in Nizza zu erwarten, und die „Kleopatra“ stach sofort in See.
17
Welke Blätter klebten an den Scheiben. Der Wind blies, der Regen klatschte gegen das Haus, die Tage wurden kürzer. Immer noch waren alle Vorhänge in Jennys kleiner Villa, die so fröhlich von außen aussah, zugezogen. Immer noch wanderte Jenny wie ein Gespenst in ihren Zimmern hin und her, ohne jede Ruhe. Sie wußte kaum, ob es Tag war oder Nacht.
Heute war der letzte Oktober, der letzte Tag. Sie hatte Hauptmann Mackentin mitgeteilt, daß sie ihm das Haus vom ersten November an zur Verfügung stelle. Also war heute der letzte Tag, und heute würde es geschehen.
„Ich werde Wort halten. Ich habe ihm geschrieben, daß er morgen über das Haus verfügen könne,“ sagte Jenny zu sich. „Nun gut, ich werde nicht mehr hier sein.“
Sie hatte die Gewohnheit angenommen, laut zu sprechen, während sie durch die Zimmer ging oder müde in irgendeinem Sessel kauerte. Alles war vorbereitet. Den Chauffeur und die Zofe hatte sie schon vor einem Monat entlassen. Sie waren nur im Wege. Die Köchin würde morgen das Haus verlassen. Nur noch der Hausverwalter wohnte in seinem Gartenhaus nebenan.
Ja, heute war also der letzte Tag. Nun war er da! Sie schlüpfte in ein gelbseidenes Kimono, das sie liebte, und schritt durch die Zimmer, mit einem fernen, leisen Lächeln auf den Lippen. Nur zuweilen blieb sie stehen und starrte in die Luft. Ihre Augen waren sehr groß und hell geworden. Und sie sprach laut mit Wenzel. Sie erzählte ihm das und jenes. Sie lächelte über seine Antworten, mit etwas schiefgezogenen Lippen.
Sie sagte: „Da bist du ja wieder, mein lieber Junge.“ Oder sie sagte: „Weshalb gehst du schon? Bleibe doch noch etwas hier. Ach, diese ewigen Konferenzen!“ Und sie runzelte mit gespieltem Unmut die Stirne.