Wenzel bat ihn, ihm wenigstens zu sagen, was man über Esther rede. Auch das interessiere ihn. Er bitte ihn als Freund.
Und schließlich berichtete Goldbaum, daß man manches über die Ehe Esthers mit Sir Weatherleigh zusammenfasele. Es sei da nicht alles so glatt und einfach gegangen. Natürlich nur Klatsch und Geschwätz. So erzählte man, daß Esther mit einem Major Fairfax ein Verhältnis gehabt habe. Sie habe vier Wochen mit ihm zusammen in einem ägyptischen Hotel gewohnt – behaupten die bösen Zungen. Man habe auch die Namen von anderen Männern genannt, aber wie gesagt, all das sei einfacher Klatsch, wie er in jeder Gesellschaft üblich sei.
Wenzel tat gleichgültig und drückte Goldbaum die Hand. „Ich hatte bestimmtere Dinge gehört,“ sagte er. „Dieses Geschwätz kümmert mich natürlich nicht im geringsten.“
Er war allein, und nun sah sein Gesicht plötzlich anders aus. Er erinnerte sich an den Gesichtsausdruck der beiden Herren, die über Esther tuschelten und deren Gespräch er unterbrach. Damals im Teeraum des Londoner Hotels. Er sah das Bild der Hochzeitstafel vor sich. Da saß Fairfax – nun verstand er den Blick, den er seinerzeit in Venedig auffing –, da saßen andere gutaussehende junge Männer. Vielleicht lachten sie im geheimen über ihn, während er feierlich neben Esther an der Tafel saß.
Jedenfalls, er wollte Gewißheit haben, und am nächsten Tage verließ einer seiner Agenten mit dem Londoner Flugzeug Berlin.
Von seinen Berliner Vertrauensmännern hörte er nichts Positives. Katschinsky war nicht in Berlin, er filmte irgendwo in Frankreich. Also hieß es sich gedulden.
Nach einer Woche schon kam der Agent aus London zurück. Es war sein Beruf, sich ernsthaft mit den Privatangelegenheiten seiner Mitmenschen abzugeben, und so berichtete er ausführlich über alles, was er in Erfahrung gebracht hatte.
Nicht Fairfax allein, eine ganze Reihe anderer Liebhaber wurde mit Bestimmtheit genannt. Jeder Mensch in London wußte, daß Sir Weatherleigh als Gentleman die Schuld auf sich genommen hatte, um den Skandal zu vermeiden.
Man erzählte sich auch, daß Baron Blau einmal eine Schuld Esthers in der Höhe von zwanzigtausend Pfund eingelöst habe und daß seine Beziehungen zu ihr, wenn auch nur ganz kurze Zeit, intim gewesen seien.
Der Boden brach unter Wenzels Füßen ein. Er fing an zu ahnen, wer Esther war.