Wohlgemerkt aber, wohlgemerkt, alles, was vor seiner Verheiratung geschehen war, ging ihn nichts an. Es war ihm nicht gleichgültig, keineswegs, aber er hatte nicht das Recht, darüber zu richten. Esther hatte nie die Tugendhafte und Prüde gespielt. Sie schwieg, aber sie heuchelte nicht.
Wehe aber, wenn sie, seit sie seinen Namen trug, ihre Pflichten verletzt haben sollte! Er sagte wehe – mehr wollte er nicht sagen.
Wenzel betäubte sich mit Arbeit, Wein und Schlafmitteln. Er blieb seinem Hause möglichst fern. Seine Unruhe wuchs mit jedem Tag. Katschinsky war seit einer Woche zurückgekehrt. Bald würde er Gewißheit haben, so oder so.
Eines Abends ließ sich der Vertrauensmann melden. Wenzel verschloß die Türen. Der Vertrauensmann zog ohne große Einleitung ein Notizbuch aus der Tasche und legte es vor Wenzel auf den Tisch. Da stand alles schwarz auf weiß notiert. Dienstag, den soundsovielten, um fünf Uhr das Haus betreten, um sieben Uhr verlassen, Freitag um sechs Uhr das Haus betreten, um einhalb acht Uhr verlassen, am Sonntag nach dem Theater das Haus um elf Uhr betreten, um ein Uhr verlassen.
Dann machte der Vertrauensmann noch auf einen Tennisspieler sehr bekannten Namens aufmerksam. Er werde auch diese Spur verfolgen, wenn Herr Schellenberg es befehle. Allerdings sei er in diesem Fall noch keineswegs sicher. –
Wenzel saß regungslos am Tisch, wie aus grauem Stein gehauen.
„Es ist nicht nötig,“ sagte er, doch seine Stimme klang ruhig und völlig unverändert. Seine Hände aber zitterten so stark, daß er sie unter der Tischplatte verbarg. Plötzlich funkelten seine Augen: „Wehe, wenn Sie mich belügen, Herr!“ schrie er den Agenten an. „Ich werde mich überzeugen, ob Sie die Wahrheit sprechen! Wehe Ihnen!“
Der Agent wich erschrocken zurück. „Herr Schellenberg können sich überzeugen.“
24
Eine ganze Woche lang verließ Wenzel an den Nachmittagen sein Büro nicht eine Minute. Er arbeitete an einer Neuorganisation des Schellenberg-Konzerns, die die Verwaltungskosten um ein Drittel vermindern sollte. Ein ungeheurer Plan, zu dessen Durcharbeitung er nie die Zeit gefunden hatte. Er verbiß sich in die Arbeit. Nur zuweilen erhob er sich, um einen Blick durch das Fenster zu werfen: Das Mietsauto stand an der Ecke.