Plötzlich, an einem Nachmittag etwas nach fünf Uhr, kam der Anruf des Vertrauensmannes.

Wenzel erbleichte. Er nahm den Hut und eilte auf die Straße, um das Mietsauto an der Ecke zu besteigen. Straße, Nummer, warten, bis ich Order gebe, zwanzig Mark Trinkgeld. Der Chauffeur fuhr. Vielleicht gibt es wieder einmal eine Schießerei, dachte er, er scheint ganz rabiat zu sein.

Der Beobachtungsposten war gut gewählt. Wenzel saß regungslos im Wagen, die Augen auf das bezeichnete Haus gerichtet, und rauchte. Es war eine kleine Villa in Charlottenburg, ganz in der Nähe vom Steinplatz. Der Stein ist im Rollen. Die Lawine geht zu Tal, es wird sich vollenden, dachte Wenzel und hielt den Blick auf das Haus geheftet. Die Gedanken jagten. Er rauchte eine Zigarette nach der andern und wartete. Eine Stunde verging. Schon war der Wagen ganz verqualmt. Er verfiel in eine Art von Halbschlaf. Seine Gedanken standen still, sie bewegten sich nur noch um kleine Nebensächlichkeiten. Wer diese Villa wohl gebaut hatte? Welche Gagen ein Schauspieler beziehen mußte, um diese Villa bewohnen zu können? Oder erhielt er noch Bezüge von anderer Seite? Dort an der Ecke stand der Vertrauensmann, las die Zeitung und aß eine Banane. Er verabscheute ihn.

Etwas vor sieben Uhr öffnete sich die Tür und eine Dame erschien. Sie trug einen kleinen, koketten zimmetfarbenen Hut und ein dünnes, weiches Cape der gleichen Farbe, das sie dicht um den schlanken Körper gelegt hatte. Ein Windspiel schlüpfte durch die Haustür, wurde aber sofort ins Haus zurückgerufen. Die Dame verließ das Haus, unauffällig, sorglos, so wie täglich in jeder großen Stadt tausend Damen irgendein Haus zu dieser Stunde verlassen.

Aber diese Dame trug seinen Namen.

Gelassenen Schrittes ging Esther die Straße entlang, dann nahm sie ein Mietsauto und fuhr davon.

Eine Weile noch wartete Wenzel regungslos in seinem Wagen. Der Agent ging vorüber und wandte das Gesicht gegen die Scheibe. Dann befahl er dem Chauffeur, ihn in sein Büro zurückzufahren.

Es ist also nichts geworden, dachte der Chauffeur, kein Gericht, keine Zeugenschaft.

Wenzel blieb nur einige Minuten in seinem Büro. Mechanisch unterzeichnete er einige Dutzend Briefe. Dann fuhr er nach dem Grunewald zurück.

Er betrat das Haus mit finsterer Miene. Seine Stirn war böse gerunzelt. Ohne Laut flüchtete die Dienerschaft vor seiner schlechten Laune.