„Die Damen sind im chinesischen Zimmer.“

Das chinesische Zimmer war ein Raum in exotischem Charakter, keineswegs chinesisch, aber es wurde so genannt. Es war ganz gekachelt, ultramarinblau, die Decke vergoldet und bemalt. Esther liebte diesen Raum zur Dämmerstunde.

Schon vernahm Wenzel die Stimmen der Damen. Sie sprachen englisch und französisch. Zwei Freundinnen waren seit gestern auf Besuch gekommen. Die Frau eines englischen Teegroßhändlers, Violet, madonnenhaft frisiert, mit lüsternem Mund, und Georgette, eine kleine quecksilberige pechschwarze Französin, die ihrem Mann durchgebrannt war und sich bei Esther versteckte. Die Damen sprachen eifrig über das geplante Nachtfest in Hellbronnen, das in den nächsten Tagen stattfinden sollte. Man wartete nur auf wärmeres Wetter. Von Esthers Empfangssalon aus sah Wenzel in das chinesische Zimmer. Der Rauch der Zigaretten hatte unter der Decke eine unbewegliche schwebende Schicht gebildet.

In diesem Augenblick wurde Esther eine Karte überreicht, und gleich danach trat die Gestalt eines jungen Mannes ein. Wenzel erkannte Katschinskys Stimme.

„Sie waren lange weg, Herr Katschinsky,“ sagte Esther, fast gleichgültig, fast gelangweilt.

„Ich hatte im Ausland zu tun,“ erwiderte Katschinsky. „Ich bin seit einigen Tagen wieder hier, finde aber erst heute eine freie Stunde.“

„Meine Freundinnen Violet Taylor aus London und Madame Georgette Leblanc aus Paris.“

Plötzlich war Wenzels ganzer Körper mit Schweiß bedeckt.

„Oh, welch schamlose Komödie!“

Sein Gesicht war grau, wie Blei, das lange an der Luft liegt.