Auf diesem Umweg war Georg nach langer Zeit wieder nach Berlin zurückgekehrt, durch dessen Straßen er einst verstört irrte, wie ein Hund, der seinen Herrn verlor.
Schwere Wochen für Christine! Sie war mit dem kleinen Georg nach Berlin gekommen, um die Wohnung einzurichten, die ihnen die Gesellschaft überwiesen hatte. Christine kaufte ein! Oh, bescheiden, sie drehte jeden Pfennig dreimal um, bevor sie ihn ausgab. Tag und Nacht nähte sie an den Vorhängen. Aber endlich war es soweit, und das kleine Einweihungsfest konnte stattfinden. Es prasselte und krachte in Christines kleiner Küche.
Als Gäste erschienen: Lehmann, der Einarmige, Georgs früherer Chef in Glückshorst, man erinnert sich? Er brachte eine Flasche Burgunder mit. Dann kam der Schlächter-Moritz. Er eilte aus Glückshorst herbei, berstend von Gesundheit und Kraft, beladen mit Produkten seiner Kunst. Dann kam Stobwasser, der jetzt sein Atelier am Nollendorfplatz hatte. Er brachte einen schwarzen Kater mit, von dem er sich nicht trennen konnte. Er brachte ferner einen Riesenstrauß mit, der kaum durch die Türe ging.
„Da seid ihr ja wieder!“ schrie er außer sich vor Freude und umarmte die Freunde.
26
Wenzel war in dieser Zeit fast immer in Geschäften unterwegs. Nur zuweilen kehrte er auf ein bis zwei Tage nach Berlin zurück. Er wohnte in seinem Hause im Grunewald, lebte aber völlig zurückgezogen. Er arbeitete.
Esther vermißte ihn nicht. Sie war zu sehr mit ihren Plänen für das Sommerfest in Hellbronnen beschäftigt. Das Fest sollte eine ganze Woche dauern, von Sonntag zu Sonntag. Ein junger Dichter hatte „Drei Szenen aus dem Leben Casanovas“ geschrieben, die an drei aufeinanderfolgenden Abenden aufgeführt werden sollten. Katschinsky führte die Regie. Esther hatte vom frühen Morgen bis in die späte Nacht hinein zu tun. Sie war vollauf beschäftigt. Konferenzen mit Malern, Architekten, Schauspielern, Musikern, Dutzende von Depeschen und Briefen, sie lachte und ereiferte sich – es fiel ihr gar nicht auf, daß Wenzel, wenn er zuweilen auf zwei, drei Tage zurückkam, auf seinem Zimmer speiste und sie ihn fast nicht zu Gesicht bekam.
Wenzel fing an, an sich irre zu werden. Die Sicherheit, mit der Esther ihm gegenübertrat, ihre Herzlichkeit, wenn er auf wenige Minuten in ihrem Freundeskreis erschien, machte ihn stutzig. Sollte er ihr, trotz allem, Unrecht tun?
Eines Tages beobachtete Wenzel, daß das Benehmen Mackentins scheu und unsicher wurde. Ah, kein Zweifel, er täuschte sich nicht, das war nicht der alte Mackentin. Es war fast, als habe er ein schlechtes Gewissen. Er wich seinem Blick aus, seine Stimme klang belegt. Er schien etwas zu verbergen. Endlich stellte Wenzel ihn zur Rede.
„Was ist mit Ihnen, Mackentin? Was ist in Sie gefahren? Was geht hier vor?“ drang er in ihn.