Der Chauffeur pfiff, er schrie den Namen der Jacht, und Wenzel zuckte, wie geschlagen, zusammen, so oft der Chauffeur in die Nacht hineinbrüllte: „Halloh, Esther Schellenberg!“ Nichts regte sich. Endlich fand der Chauffeur einen Nachen, der Schellenberg übersetzte. Und endlich zeigte sich auf der Jacht ein verschlafenes und verstörtes Gesicht.

„Schlaft ihr alle?“ schrie Wenzel zornig, und in diesem Augenblick wurde die Jacht lebendig. Licht flammte auf, Schritte eilten. Der Kapitän war nicht an Bord. Wenzel befahl, ihn sofort zu holen und die Jacht segelfertig zu machen. Ja, plötzlich war es ihm in den Sinn gekommen, in das Meer hinauszufahren. Das Wasser rauschte, der Wind trillerte in den Tauen. Schon saß Wenzel in der Kajüte, und plötzlich fühlte er sich freier und stiller. Welche Ruhe! Welche wunderbare Stille! Sein Zorn verging. Wie wunderbar rauschte das Wasser!

Der Steward brachte heißen Kaffee, in den Wenzel Kognak goß, dann zündete er sich eine Zigarre an und ging auf und ab. Fast hatte er seine ganze Schmach und Schande vergessen. Als der Kapitän der Jacht nach einer Stunde, bestürzt und verwirrt, Entschuldigungen stammelnd, in den Salon trat, war Wenzels Zorn schon verraucht.

„Machen Sie keinen Unsinn,“ unterbrach er den Kapitän, einen früheren U-Bootführer, namens Wittgenstein. „Wir sind unter uns Kameraden, und es ist doch völlig einerlei, wenn Sie eine Nacht nicht an Bord schlafen. Leisten Sie mir Gesellschaft beim Essen! Ich habe es plötzlich in Berlin nicht mehr ausgehalten. Ich brauche etwas frische Luft. Wir werden einen Schlag in die See machen. Sind Sie bereit?“

Wittgenstein erwiderte, daß er nach dem Schleppdampfer geschickt habe, es werde wohl eine geraume Weile vergehen.

„Wir haben ja Zeit, Wittgenstein!“ rief Wenzel gutgelaunt aus. „Wir werden essen und trinken.“

Er ließ Wein bringen und stürzte ein Glas um das andere hinunter. „Ich bin zur Zeit mit den Nerven fertig, Wittgenstein!“ rief er lachend aus. „Sehen Sie, wie meine Hände fliegen. Ich muß ein paar Tage auf die See. Auch die Mannschaft soll trinken, Wittgenstein. Es ist schlechtes Wetter, und ich habe sie um ihre Nachtruhe gebracht. Geben Sie jedem eine Flasche von diesem Bordeaux und ein paar tüchtige Schnäpse!“

Der Morgen graute, als der Schleppdampfer das Tau loswarf und die Jacht klatschend gegen die See ankämpfte. Wittgenstein hatte wegreffen lassen, was möglich war, es war schweres Wetter.

„Welchen Kurs befehlen Sie, Herr Schellenberg?“

„Nehmen Sie Kurs auf Kopenhagen. Wie wunderbar ist es hier auf der See!“