Gestern abend hatten ihn zwei Angestellte des Konzerns in einem kleinen Café am Alexanderplatz zufällig gesehen. Was tat er dort? Er, Wenzel, der sonst Tag und Nacht in seinem Auto herumjagte, benutzte fast nie mehr seine Privatwagen. Der Chauffeur besprach sich mit Mackentin. Er fand Herrn Schellenberg auffallend verändert. Mackentin zuckte die Achseln und lächelte.

„Er ist überarbeitet,“ sagte er. „Das ist alles. Er hat mehr Sorgen als wir.“

Häufig ging Wenzel viele Stunden spazieren. Dann geschah es, daß er oft laut vor sich hinsprach.

„Es muß geschehen,“ sagte er. „Es gibt nur diese eine Lösung.“

Ja, damals auf der Jacht, als er auf der Ostsee herumjagte, war ihm diese Lösung eingefallen. Es gab keine andere. Er hatte es dem alten Raucheisen nie vergessen können, daß er ihn tadelte, weil er zehn Minuten zu spät kam. Was sollte er nun tun, da man seinen Namen in den Schmutz trat?

„Es wird wohl so sein müssen!“ sagte Wenzel laut zu sich, während er unter dunklen Bäumen dahinging. „Es gibt nur diese eine Lösung! Das Schicksal hat gesprochen. So wahr ich lebe, mein Leben hätte keinen Zweck mehr. Es wäre verächtlicher als das eines Jagdhundes. Man wird mich verstehen, und alle werden begreifen, daß es eine andere Lösung nicht gab.“

Und so oft er Esther nachblickte und der harte Glanz in seine Augen trat, dachte er und sagte er: „Bald! Bald!“

Und Esther? Sie tänzelte dahin, sie lachte, sprühte von witzigen Bemerkungen, bewegte sich in ihrem Hofstaat, in Konzerten, Theatern, Gesellschaften. Ihre Beschäftigung bestand darin, das Programm für jeden Tag zu entwerfen und es zu absolvieren. Sie ahnte nichts, sie wußte nicht, daß er, Wenzel, ihren Tod beschlossen hatte ...

30

Nein, es gab keine andere Lösung. Wenzel wußte es. Er wiederholte es sich tausendmal am Tage und tausendmal in der Nacht. Er oder sie, etwas anderes gab es nicht. Kein Mensch kann ohne Selbstachtung leben, ein Wenzel Schellenberg auf keinen Fall. Zu infam hatte sie gehandelt, es gab Grenzen, die man nur mit dem Einsatz seines Lebens überschreiten durfte. Was weiter geschah, darum kümmerte er sich nicht.