Plötzlich bemerkte Georg, daß er Blut spuckte. Ah, seht an, sagte er sich, ein Rückfall!

Aber bald beruhigte er sich, er war nicht der einzige, dem es so erging. Es waren viele, viele, da draußen im Osten, unter den Arbeitslosen und Armen litt jeder zehnte Mensch an diesem Übel.

In diesen Tagen, da sein Blick immer leerer wurde und sein Schritt immer müder, sah er einmal ganz plötzlich Katschinsky. Fast hätte er ihn übersehen. Es war in der Nähe des Anhalter Bahnhofs. Katschinsky kam mit einem jungen Manne aus einem Blumenladen und überschritt schnell die Straße, beladen mit einem Strauß gelber Rosen, um in ein Auto zu steigen. Er trug einen herrlichen mausgrauen Mantel und einen grauen Plüschhut. Der Geruch seiner Zigarette schwebte in der Luft.

Katschinsky hatte ihn mit einem Blick gestreift. Hatte er ihn erkannt? Ja, ja, o gewiß, er hatte ihn erkannt! Georg beobachtete, wie er nervös in den Wagen kroch.

In diesem Augenblick aber ereignete sich etwas ganz Unverständliches, etwas, was Georg, wenn er sich dessen erinnerte, nie begriff. Plötzlich sprang er mit zwei, drei wilden Schritten auf das Auto zu, um an die Scheibe zu klopfen. Aber der Wagen fuhr in dieser Sekunde ab. Gottlob.

Bleich vor Scham blieb Georg stehen. Er zerbiß sich die Lippe: so ging es nicht weiter, nicht einen Tag länger. Ein Entschluß, ein Entschluß!

Und wieder nahm er seine planlose Wanderung durch die Straßen auf. Da aber erwachte ein Gedanke in seinem Kopf. Weshalb war er nicht schon früher auf diesen Gedanken gekommen?

Er erinnerte sich plötzlich, daß er in einem Asyl für Obdachlose, wo er zuweilen übernachtete, einen kleinen, alten Bettler kennengelernt hatte, der, in eine Wolke von Schnapsdünsten eingehüllt, neben ihm kampierte. Dieser Bettler, ein „Zitterer“, der aus Gewohnheit zuweilen sogar im Asyl zitterte, hatte ihm von einer sagenhaften Firma, einem Großunternehmen erzählt, das Arbeitslose beschäftige. Diese Firma sollte sich in der Lindenstraße befinden, und das Haus wäre nicht zu verfehlen, da es in ein großes Gerüst eingehüllt sei.

„Dahin sollten Sie gehen,“ riet der Alte. „Für mich ist es nichts, aber für Sie ist es vielleicht etwas, junger Mann. Fragen Sie getrost nach einem Herrn Schellenberg. Den Namen sagte mir ein Bekannter. Ich ging also in den Neubau und fragte nach Herrn Schellenberg. Dieser Herr Schellenberg, nun, Glück muß der Mensch haben, kam zufällig die Treppe herunter. Was glauben Sie? Er schenkte mir sofort fünf Mark und befahl seinen jungen Leuten, mir Beschäftigung zu geben. Sie gaben mir eine Fahrkarte nach Nauen und sagten mir, da gehst du hin und meldest dich da und da.“

„Sind Sie hingegangen?“ hatte Georg geforscht.