„Ist es möglich, Herrn Schellenberg zu sprechen?“ wagte Georg zu fragen.

Der junge Mann sah ihn verwundert an. Er trat sogar einen kleinen Schritt zurück. „Herrn Schellenberg wollen Sie sprechen?“ sagte er leise, mit dem Ausdruck äußersten Erstaunens. „Haben Sie besondere persönliche Empfehlungen an Herrn Schellenberg?“

„Nein, nein,“ stotterte Georg.

Der junge Mann lächelte. „Es ist ganz unmöglich, Herrn Schellenberg zu sprechen, ganz unmöglich. Herr Schellenberg arbeitet sechzehn Stunden am Tag, und ich selbst, ich gehöre zum Komitee der Ärzte, kann ihn jede Woche nur fünf Minuten sprechen.“ Der junge Arzt sah Georg prüfend ins Gesicht und sagte nach einer Weile: „Gehen Sie in dieses Zimmer. Man wird Ihnen unsere Arbeitsbedingungen mitteilen. Leben Sie wohl und alles Gute!“

Georg las irgendein Formular, ohne es zu verstehen. Er war geneigt, Arbeit zu jeder Bedingung anzunehmen, und es konnte ihm völlig gleichgültig sein, was dieser Unternehmer Schellenberg bot. Man informierte ihn, daß er das Haus heute nicht mehr verlassen könne, und wies ihm eine Holzpritsche in einem langen Korridor an.

Es ist alles wie ein Wunder, sagte Georg zu sich, als er sich zerschlagen und fiebernd auf der Holzpritsche ausstreckte. Vielleicht träume ich, vielleicht ist es das Fieber? Vielleicht ist es das Ende? Plötzlich aber schlief er vor Erschöpfung ein.

Als er am Morgen erwachte, befand er sich zu seinem Erstaunen noch immer auf der gleichen Pritsche. Es war also kein Traum, keine Gaukelei des Fiebers gewesen. Man drückte ihm eine Eisenbahnfahrkarte in die Hand, mit der Weisung, sich da und dort, es war der Name einer kleinen Stadt in der Nähe Berlins, bei der Arbeitsstelle zu melden.

Georg bestieg den Zug, und als der Zug aus der Halle fuhr, beugte er sich weit hinaus, um diese Stadt nochmals zu sehen, durch die er wochenlang wie ein Hund, der seinen Herrn verlor, geirrt war.

Die Stadt dampfte. Es regnete noch immer. Wolken von Dampf stiegen aus der Stadt empor und hüllten ganze Viertel in dichten Dunst.

„Ich komme wieder!“ sagte Georg. Und – zu scheu, um in Wirklichkeit durch eine Geste seine Erregung zu verraten – breitete er in Gedanken die Arme gegen die Stadt aus. „Ich komme wieder, Christine!“