„Komm hierher, Onkel!“ rief der Knabe, „wir sind auf der Pfaueninsel.“
Die Stimme des Knaben, der bisher, vom Spiel erregt, wild und laut geschrien hatte, war plötzlich sanft und weich. „Weshalb kommst du so selten, Onkel? Man sieht dich gar nicht mehr!“ fragte er und sah Michael mit einem langen, reinen Blick an. Marion aber kletterte an ihm in die Höhe, wie an einem Baum, und bedeckte seine Wange mit Küssen, während sie die dünnen Arme um seinen Hals legte.
„Ich hatte zu arbeiten,“ antwortete Michael verlegen, denn er fühlte, daß der Knabe ihm nicht glaubte.
Gerhard sah ihn von der Seite an. „Ihr mit eurer Arbeit!“ sagte er und zuckte geringschätzig die Achsel. „Auch Papa behauptet immer, er müßte arbeiten, und dabei sitzt er doch Tag und Nacht in den Weinstuben.“
„Aber Gerhard!“ erwiderte Michael mit sanftem Tadel. „Pfui, wie häßlich. Was sagst du da? Wer sagt dir, daß Papa Tag und Nacht in den Weinstuben sitzt?“
„Nun, Mama,“ antwortete der Knabe und verzog die Lippen.
Michael verteilte die Schleckereien und mußte mit Marion zusammen eine Schokoladenstange verspeisen. Sie aß an einem Ende und er am andern, bis sie mit den Lippen zusammenstießen. Nun, aber ja – wollten sie zusammen spielen. Onkel! Sie wußten genau, daß Michael ihnen entrissen wurde, sobald die Gesangsstunde zu Ende war.
„Komm, Onkel!“ rief Gerhard, „was wollen wir spielen? Wir wollen den Mont Blanc besteigen, willst du?“
„Nun schön, meinetwegen,“ stimmte Michael lächelnd zu. „Wie geht das: den Mont Blanc besteigen?“
Marion aber heulte. „Ich will nicht auf den Mont Blanc. Onkel, man muß auf den Schrank klettern, und ich fürchte mich.“